Vor dem Parlament in Wien protestierten Kurden und Linke für ein militärisches Einschreiten in der syrischen Stadt Kobane.

© KURIER/Jeff Mangione

Wien
10/10/2014

3000 bei friedlicher Kurden-Demo

Protest wegen fehlender Unterstützung gegen IS-Terror / Schreckschusspistole bei Salafisten sichergestellt.

von Dominik Schreiber, Reinhard Frauscher

Bei der Wiener Polizei war man angespannt wie selten zuvor. Groß angelegte Ausweiskontrollen und Durchsuchungen von Rucksäcken und Taschen gab es bisher noch nie im Umfeld von Demonstrationen. „Man muss sich nur anschauen, was in Europa los ist“, meinte eine Polizistin achselzuckend. Einige Teilnehmer berichteten sogar davon, dass sie angeblich im Vorfeld polizeilich fotografiert wurden. Zustände wie man es sonst nur von Demos in den USA kennt.

Rund 3000 Kurden und Linke demonstrierten am Freitag Abend dennoch friedlich in Wien, der Großteil davon waren Familien mit Kinderwagen. „Türkei, Terrorist“ und ähnliches wurde skandiert. Die Aktivisten forderten ein militärisches Eingreifen in der umkämpften nordsyrischen Stadt Kobane.

Dass die Angst der Polizei vor Störaktionen nicht überzogen war, zeigte sich abseits des Demozuges. Eine Person mit einer Salafisten-Flagge und einer Schreckschusspistole wurde im Umfeld kontrolliert und angezeigt. Auch drei Messer wurden sichergestellt. Eine Gruppe tschetschenischer Kampfsportler wurde in der Mariahilfer Straße von der stets aufmerksamen WEGA in die Enge getrieben und für einige Minuten isoliert, um einen Zusammenstoß mit den Kurden zu vermeiden.

Immer wieder wurden potenzielle Störenfriede entlang der Demoroute abgedrängt. Bei mehr als 50 Personen gab es Identitätsfeststellungen. Der Polizei gelang es dennoch für Ruhe zu sorgen, Festnahmen gab es keine. Heute ist eine Demo in Vorarlberg angesetzt.

Bilder von den Protesten in Wien:

„Stellvertreterkrieg“

Alarmiert war am Freitag auch die Polizei in vielen deutschen Städten. Sie fürchtete weitere Zusammenstöße zwischen Kurden und Islamisten. Jene der letzten Tage hatten laut Polizeieinschätzung nur mit sehr viel Glück kein Todesopfer gefordert. Vor allem zwei Brennpunkte gab es: Hamburg und die niedersächsische Stadt Celle.

In dieser leben 7000 Jesiden. Am Montag und Dienstag waren jeweils 500 Jesiden und 200 Muslime bewaffnet in der Stadt unterwegs gewesen. 200 Jesiden wollten dabei eine Polizeiabsperrung durchbrechen, die sie von den Islamisten trennte. Dabei fielen auch Schüsse aus Schreckschusspistolen.

Nicht weniger brenzlig war es die vergangenen Tage in Hamburg. Vor allem Mittwoch Abend, als Hunderte Kurden für mehr Unterstützung ihrer Landsleute im Kampf mit den IS-Terroristen demonstrierten. Im Hauptbahnhof-Viertel gingen Horden von Salafisten mit Macheten und Dönerspießen auf sie los. Die Polizei ging mit Wasserwerfern zwischen die etwa 400 Schläger. Polizeischutz brauchten auch moderate Muslime in einer Moschee, in die Salafisten eingedrungen waren.

Der Chef der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt zu den gewaltsamen Konfrontationen: „Es droht ein Stellvertreterkrieg auf deutschem Boden.“

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