Auch Cains Mutter muss vor Gericht

Ein grausames Martyrium musste der dreijährige Cain erleiden: Er wurde im Jänner 2011 in Bregenz mit einem Alu-Besenstiel und mit den Händen zu Tode geprügelt
Foto: APA/DIETMAR STIPLOVSEK

Der Kellnerin drohen wegen Vernachlässigung bis zu zehn Jahre Haft. Sie redet sich auf Überforderung und Erschöpfung aus.

Es ist weder ein Zufall, dass es nur wenige Tage nach dem Mordprozess passierte, noch kommt es überraschend: Nun wurde auch die Mutter des dreijährigen Cain angeklagt. Aleksandra N. drohen wegen "Quälen oder Vernachlässigen unmündiger Personen" bis zu zehn Jahre Haft.

Im Prozess gegen ihren ehemaligen Lebensgefährten Milosav Maletic am vergangenen Freitag in Feldkirch war die 26-Jährige nicht einmal als Zeugin geladen. Bevor der 27-Jährige nicht rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, behauptete er noch, auch Aleksandra N. habe Cain und dessen sechsjährigen Bruder geschlagen.

Nun wird der Frau neben Misshandlung beider Kinder angelastet, nichts gegen die von Maletic ausgeführten Schläge mit einem Besenstiel gegen Cain unternommen und damit dessen Tod mitverschuldet zu haben.

Die Kellnerin redet sich auf Überforderung aus, wobei ihre Verantwortung durch ein medizinisches Gerichtsgutachten gestützt wird. Darin heißt es, die Handlungsfähigkeit der zweifachen Mutter sei durch Überlastung und einen "depressiven Erschöpfungszustand" eingeschränkt gewesen.

Laut Verteidiger German Bertsch hat Aleksandra N. gewusst, dass Maletic ihre Kinder schlägt. Sie gibt auch zu, "wenig dagegen unternommen" zu haben. Das "Wenige" war, dass sie ihm "klar gesagt" habe, "dass er meine Kinder nicht zu schlagen habe. Schließlich sind es meine Kinder" (aus ihrer Vernehmung bei der Polizei).

Warnung

Sie habe aber nie daran gedacht, dass Cain innere Verletzungen haben und daran sterben könnte. Dass sie keine Hilfe von außen gesucht hat, bereue sie sehr, sagt der Anwalt noch. Immerhin hatte ihre Familie sie vor Maletic bereits gewarnt. Eine Tante fragte zum Beispiel einmal, ob sie schon wisse, wen sie da überhaupt im Haus habe.

Doch Aleksandra N. war eigenen Angaben nach "froh, dass ich jemanden hatte, der auf meine Kinder aufpasst, während ich arbeite." Und das war eben der wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Milosav Maletic.

Und wie steht sie zur Behauptung von Maletic, auch selbst die Kinder geschlagen zu haben? "Einen Klaps auf den Hintern gibt sie zu", sagt Verteidiger Bertsch: "Ganz normal, wie man Kindern einen Klaps gibt. Aber sicher keinen starken."

Der Anwalt Philipp Längle wird im kommenden Prozess im Auftrag des Pflegschaftsgerichts von der Mutter Schmerzensgeld für Cains Bruder fordern.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?