Politik 08.01.2012

Asyldebatte: "Keine Kinder in Großlagern"

Caritas-Direktor Michael Landau gibt der Innenministerin in der Frage minderjähriger Flüchtlinge Schützenhilfe.

Der KURIER-Bericht über die neuen Methoden der Schlepperbanden, die ihr schmutziges Geschäft zunehmend mit Kindern und Jugendlichen machen, schlägt Wellen. So meldet sich nun etwa Caritas-Direktor Michael Landau zu Wort. Er fordert gegenüber dem KURIER von den Bundesländern mehr Solidarität bei der Unterbringung von minderjährigen Flüchtlingen.

Wie berichtet, sind aktuell 230 "unbegleitete Minderjährige" im Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen. Viele von ihnen wurden ihren Eltern von Schleppern in den Flüchtlingslagern Griechenlands abgenommen und nach Österreich gebracht. Hintergrund: Die Erwachsenen warten in Griechenland, bis das Asylverfahren des Kindes abgeschlossen ist. Dann kommen sie im Sinne der gesetzlichen Familienzusammenführung nach. "Ankerkinder" lautet eine Bezeichnung dafür.

"Diese Begriffswahl ist herzlos und inhaltlich falsch", sagt Landau. Einerseits könnten Eltern nur nachkommen, wenn das Asylverfahren des Kindes positiv erledigt wird. Andererseits sei davon auszugehen, dass nicht nur die Kinder etwa politisch verfolgt würden, sondern auch der Rest ihrer Familie.

In der Frage der Unterbringung der minderjährigen Flüchtlinge unterstützt Landau Innenministerin Johanna Mikl-Leitner. "Es kann nicht sein, dass Niederösterreich und Wien die Hauptlast tragen. Die anderen Bundesländer sind hier gefordert." Landau ist dafür, dass die Bund/Länder-Vereinbarung dahingehend überarbeitet wird. Minderjährige müssten in für sie geeigneten Einrichtungen mit spezieller Betreuung untergebracht werden. "Kinder gehören nicht in Großlager, da hat die Innenministerin Recht", sagt Landau.


Statistik

Landau will, dass auch andere Bundesländer ihre Pflicht erfüllen.
© Bild: KURIER/Christandl

Kritisch sieht der Caritas-Direktor den kolportierten Anstieg der Asylanträge von 2010 auf 2011 um 31 Prozent. Die Steigerung werde relativiert, weil "2010 das Jahr mit der geringsten Anzahl von Flüchtlingen im Zehnjahresvergleich" war. 2002 etwa habe es knapp 40.000 Asylanträge gegeben, 2011 waren es rund 14.400.

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( Kurier ) Erstellt am 08.01.2012