Politik 05.12.2011

Ärger nach Maulkorb für Rauch-Kallat

Ein Geheimantrag der VP-Frauen zur Abänderung der Bundeshymne wurde durch Dauerreden ihrer männlichen Parteikollegen vereitelt. Der ÖVP-Klub hat sich damit "keinen guten Dienst erwiesen", so Rauch-Kallat.

Katerstimmung herrschte am Samstag in der ÖVP nach dem parteiinternen Zwist im Parlament zum Thema Bundeshymne. Abgeordnete Maria Rauch-Kallat hatte Freitagabend an ihrem letzten Tag im Nationalrat (sie scheidet freiwillig aus) einen Antrag zur Änderung der Bundeshymne eingebracht. Dieser war eine gemeinsame Aktion der Frauen von ÖVP, SPÖ und Grünen.

Sie wollen die Stelle der Bundeshymne "Heimat bist du großer Söhne" ändern in "Heimat großer Töchter, Söhne" . Rauch-Kallat wollte in ihrer Abschiedsrede im Plenum erklären, warum das wichtig sei. Aber ÖVP-Klubchef Karlheinz Kopf, der in den Frauen-Vorstoß nicht eingeweiht war, hinderte Rauch-Kallat am Reden, als ihm klar wurde, was die Ex-Ministerin vorhatte. Kopf ließ der Reihe nach männliche ÖVP-Mandatare so lange über teils belanglose Themen reden, bis das Zeit-Budget seiner Partei aufgebraucht war - und Rauch-Kallat nicht mehr zu Wort kam.

Kopfschütteln

Sie trug es mit Fassung: "Es war nicht das erste Mal, dass Männer versucht haben, mich auszubremsen", erklärte sie am Tag nach dem Vorfall. Rauch-Kallat tröstet sich damit, dass sie den Antrag zur Hymnenänderung einbringen konnte. Er sieht im Herbst eine Abstimmung im Nationalrat vor, bei der sich alle 183 Abgeordneten offen deklarieren müssen.

ÖVP-Klubchef Kopf wollte zu dem Streit am Samstag nichts sagen. Finanzsprecher Günter Stummvoll verteidigte die Verzögerungstaktik der ÖVP-Männer: "Anträge müssen zuerst im Klub diskutiert werden. Da gibt es ein klares Prozedere. Spielregeln sind dazu da, eingehalten zu werden", erklärte Stummvoll dem KURIER. Viele Parteigranden sehen das anders: So habe es die Klubführung erst recht geschafft, die umstrittene Hymnenfrage zum großen Thema zu machen.

Enttäuscht von den männlichen Kollegen ist ÖVP-Frauensprecherin Dorothea Schittenhelm: "Das ist nicht die Methode, für die ich stehe. Wir wollen ja nicht die Söhne aus der Bundeshymne streichen - um Gottes Willen! -, sondern nur das Familienbild ergänzen", sagte sie dem KURIER.

Stockerl

Inspiriert fühlt sich Schittenhelm in ihrem Vorstoß von einer Top-Skifahrerin, die sich einmal bei ihr beklagt habe: "Wenn ich nach dem Rennen auf dem Stockerl stehe, höre ich jedes Mal nur die ,Söhne'." Wie die Abstimmung im Parlament im Herbst ausgeht, wird spannend. Bruchlinien zwischen Männern und Frauen gibt es auch in der SPÖ. Die Grünen sind geschlossen für die "Töchter", FPÖ und BZÖ dagegen. ÖVP-Mandatar Stummvoll wird für die Änderung des Hymnentextes votieren: "Ich habe zwei Töchter - ich kann nicht dagegen sein."

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011