© APA/dpa/Marijan Murat

Kommentar
03/31/2020

Schule in der Corona-Krise: Wohltuende Schritte in Richtung Normalität

Unsere Kinder befinden sich inmitten einer veritablen Krise, die sie nicht verstehen können. Was davon bleibt, liegt nicht zuletzt an uns.

von Christoph Schwarz

Und plötzlich ist alles anders. Seit das Coronavirus die Grenze überquert hat, müssen unsere Kinder am eigenen Leib erfahren, was ihre Eltern – und vielfach sogar die Großeltern – nur noch aus Erzählungen, Unterricht oder TV-Dokus kennen: dass das gesellschaftliche Zusammenleben, wie wir es kennen, und die Regeln und Gesetze, die wir uns gegeben haben, wesentlich fragiler sind, als wir dachten.

Eine Generation, deren größtes Problem bis vor wenigen Wochen ein Überangebot an Möglichkeiten war, steht vor einer veritablen Krise. Nicht vor einer eher abstrakten wie der Klimakrise. Sondern vor einer handfesten.

Die Entscheidungsunsicherheit der individualisierten Gesellschaft ist – wenn auch nur vorübergehend – der Alternativlosigkeit gewichen. Selbstisolation, Quarantäne: Das sind Zustände, unter denen selbst Erwachsene leiden. Wie es wohl den Kindern geht?

Niemand widerspricht

Im Fernsehen sagen Politiker Sätze, die noch vor Kurzem undenkbar waren. „Bald wird jeder von uns jemanden kennen, der an Corona gestorben ist“, sagen sie. „Das Virus wird Krankheit, Leid und Tod für viele Menschen in unserem Land bedeuten.“ Oder auch: „Die schwersten Zeiten liegen vor uns.“ Da ist niemand, der ihnen widerspricht. Wahrscheinlich, weil sie recht haben.

Vielerorts werden bereits Parallelen zum Krieg gezogen. Das kann man machen, muss man aber gar nicht. Die Lage ist auch so schlimm genug. Der Feind ist ein unsichtbarer, und der Alarmzustand gilt permanent. Kinder können das nicht verstehen. Auch ihre Eltern scheitern vielfach daran, jenen Halt zu geben, den es bräuchte. Die Krise ist nicht zuletzt eine Vertrauenskrise.

Als Montag vor zwei Wochen die Schulen schlossen, ging eine der letzten Konstanten verloren. Schule leistet mehr als bloß Wissensvermittlung, das wird gerade auf schmerzhafte Weise sichtbar. Sie ist zentraler Ort der sozialen Interaktion für Kinder und Jugendliche.

Was verstehen wir unter Familie?

Wie wenig digitale Medien demgegenüber leisten können, das lehren uns ruckelnde Videochats. Und wenn die Erzählungen stimmen, regiert auch in so manch intakter Familie nach 16 Tagen in den eigenen vier Wänden die Überforderung. (Was sagt das – ohne die Mühen des Homeoffice kleinreden zu wollen – eigentlich über unser Verständnis von Familie? Und über unsere Erziehungsmethoden? Diese Fragen werden bleiben.)

Mit seiner bedachten, fast zögerlichen Ankündigung, zur Normalität zurückkehren zu wollen, hat Bildungsminister Heinz Faßmann jetzt ein wichtiges Signal gesetzt. Mit der Zusicherung, Milde walten zu lassen, auch.

Die Krise macht etwas mit unseren Kindern – was genau, liegt nicht zuletzt an uns. Wenn wir – und sie – den Wert des Schulsystems neu erkennen, hatte sie zumindest ein Gutes. Und das ist in Zeiten wie diesen ja gar nicht so wenig.

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