© Jeff Mangione

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11/24/2019

Paaradox: Maler-Sinfonie

Wenn Pinsel und Rollen über die Wände gleiten, ist das wie Musik in den Ohren. Mit dem einen oder anderen Zwischenton auf dem Weg zum Traum in Weiß.

SieNachspann zum Epos „Badumbau bei Kuh-Hufs“: Fliesen super, Wand schirch. Ein Kontrast, den man so nicht stehen lassen kann, findet der Mann nebenan und legt sich zum Nachdenken darüber nieder. Ich hingegen setze mich in den Zug und fahre in ein lustiges Graz-Wochenende. Kaum setzt sich die Lok in Bewegung, schickt der Zurückgelassene minütlich Botschaften aus dem Genre „Ein Mann sieht Weiß“. Das Ankündigungs- & Frage-Furioso begleitet mich über den Semmering in die grüne Mark: „Ich habe mich beim Baumarkt eingeparkt, viel los.“ „Ich stehe jetzt im Baumarkt und muss mich orientieren.“ „Ich habe die Wandfarbenabteilung endlich gefunden, bin ratlos.“ , „Passt dieses Weiß zu den Fliesen? (plus Farbtopf-Pic) Bis: „Oh, jetzt habe ich Feuchttraum statt Feuchtraum gelesen“ und: „Ich glaub, Latex ist besser.“ Ich trage meinen Begleiterinnen vor, was Michelangelo so dahinschreibt – die rätseln: „Ist der Gute jetzt beim Bau- oder Erotikmarkt?“

Ein Mann, ein Maler

Weitere malerische Botschaften folgen: „Jetzt der Pinsel.“, „Hier gibt’s nur ein Pinsel-Set.“ Sowie: „Roller hamma nicht, gell?“. Und weil ich nicht ad hoc auf seine dringliche Roller-Anfrage reagiere (weil ich döse): „Na gut, dann nehme ich Roller in allen Größen, sowas kann man ja immer brauchen.“ Irgendwann dann das erlösende „Ich stehe jetzt auf der Leiter und male“ samt Selfies mit Posing: Großer Pinsel in der linken Hand, kleiner Pinsel frech hinters Ohr geschoben, mittelgroßer Roller zwischen den Zähnen. Ich, leicht ermattet, schicke ihm ein „Daumen hoch“-Emoji sowie ein Zitat des weltberühmten Chi Po Shi: Bevor man mit dem Malen beginnt, muss man Herz, Hand und Gedanken in der Pinselspitze haben. Und ich bin mir sicher: Mit dieser Botschaft im Kopf kann sein Werk nur gelingen.

Lesekabarett „Schatzi, geht’s noch?“: Neue Rabenhof-Termine – 10. und 27. 1., 23. 2. , 9. 5.; 30. 11. Klosterneuburg Wilheringerhof; 7. 12. Vöcklabruck.

Er

„So, jetzt müssen wir noch einen Maler organisieren“, sprach die Badezimmerkönigin und setzte den sorgenvollsten aller Blicke auf. Mit „wir“ war klarerweise ich gemeint, aber derlei sprachliche Finessen überhört man nach so vielen Jahren. Vielmehr traf mich, dass meine Frau offenbar keine Sekunde daran dachte, mich für den Traum von weißen Wänden als Streichkünstler in Betracht zu ziehen. Vermutlich war die Erinnerung an die unlängst etwas verunglückte Montage der Sesselleisten noch zu frisch. Aber hallo, meine Handwerkerehre lasse ich mir sicher nicht nehmen – hinfallen, aufstehen, Papierhut richten und weitermachen, lautet das Credo. „Ich male, also bin ich“, schmetterte ich gnä Kuhn mit stolzer Brust entgegen. Weil: „Bitte, so schwierig kann das doch nicht sein.“ Ich gestehe jedoch, dass ihre Euphorie ob meines Tatendrangs eher verhalten ausfiel. Erst fragte sie „Du? Echt jetzt?“ Um sich dann quasi selbst zu beruhigen: „Naja, wenn’s eine zu arge Patzerei wird, können wir zur Not ja hinterher immer noch einen Profi engagieren.“
FarbenlehreDann zog sie sich skeptisch murmelnd zurück. Aber selbstverständlich nicht, um mir vertrauensvoll das Feld zu überlassen. Stattdessen tauchte sie in die Welt von Google ein, um mir im Sekundentakt zahllose Links aus der Rubrik „Wertvolle Tipps für Maler-Debütanten“ zu übermitteln. Was mir allerdings lieber ist als ihre  Ratgeber-Zurufe Marke „Ich glaube, man sollte ...“ Als ich bald darauf im Baumarkt-Dschungel Farbenlehre, Pinselkult und Rollenverhalten studierte, ließ ich sie an meinem Abenteuer via Handy teilhaben.  Damit sie begreift, wie gewissenhaft ihr Held vorgeht. Später, während der Action „Streich & Schön“, saß sie im Zug, statt mir im Nacken. Und man könnte fast denken: So hilfreich war die Liebste lange nicht.
Solo-Programm „Abend mit einem Mannsbild“: 9. 12. Wien, Studio Akzent, 23. 1. Wien (Prateralm).

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