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Lektion 35: Ganz schön wild

Von einer Österreicherin, die auszog. Sowie den Hürden und Hindernissen, die sie dabei meistert.
Anna-Maria Bauer aus London
Porträt von Anna-Maria Bauer.

Vergangene Nacht waren sie wieder da. Schreie, so hoch und schrill, dass man meint, ein Kind sei in Not geraten. Beim ersten Mal war ich noch panisch aufgesprungen. Sollten wir die Rettung rufen? Die Polizei? Aber der britische Partner beschwichtigte. Zögerlich schloss ich damals das Fenster, konnte seine Erklärung nicht ganz glauben. Doch ein paar Tage später nahmen wir die Rufe wieder wahr. Diesmal am Nachhauseweg, als wir einen Park passierten. Und tatsächlich standen sie dann im fahlen Licht der Handykamera, das nussbraune Fell gesträubt, die Zähne gefletscht: zwei Füchse.

Als gebürtige Stadtrandwienerin sind diese Tiere im Stadtgebiet natürlich nicht komplett ungewöhnlich. Immer wieder, wenn es des Nachts die Währinger Straße zurück nach Gersthof ging, blitzte das rötliche Fell

von Meister Reineke zwischen zwei parkenden Autos hervor.

Doch die britischen Exemplare – denen man regelmäßig beim Dämmerungsspaziergang begegnet – wirken massiver, wuchtiger. Ihre Schreie sind so durchdringlich, dass Radio-DJ Paul Gambaccini seinem Frust im Morgenfernsehen Luft machte. Und ihre Zahl in den Städten ist nun so verbreitet, dass unlängst ein Gemeinderat fragte, wer sie eigentlich überwache.

Noch surrealer war nur der Moment vor einigen Jahren an der kornischen Küste, als sich auf dem schon dunklen Weg zurück zum Hotel, keine zehn Meter entfernt, im Wohngebiet ein Wolfshund aufbaute. Das Fell wild und zottelig, die Statur wuchtig. Sollte man umdrehen, wegrennen? Dann trat das Tier in den Schein der Straßenlaterne und entpuppte sich … als Schaf. Auch die kommen in England offenbar bis in die Ortsmitte.

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