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Lektion 34: Eine ungewöhnliche Wahl

Von einer Österreicherin, die auszog. Sowie den Hürden und Hindernissen, die sie dabei meistert.
Anna-Maria Bauer
Porträt von Anna-Maria Bauer.

Wer schon einmal länger in England auf Urlaub war, kennt vielleicht das Gefühl: Man kommt zum Zebrastreifen – und zögert. Von wo kommen noch einmal die Autos? Man blickt nach rechts, schüttelt den Kopf – nein, das fühlt sich so vertraut an; das muss falsch sein. Man dreht den Kopf nach links – und muss schmunzeln. So ist es doch daheim! Während man den Blick noch einmal wendet, reift jene Erkenntnis, die Tante Lydia in „The Handmaid’s Tale“ (wenn auch in düsterem Kontext) teilt: „Normal ist das, was man gewöhnt ist.“

Nie hätte diese Kolumnistin vor dem Umzug nach Großbritannien vermutet, dass es einmal Usus sein könnte, für Lokalwahlen (oder Wahlen im Allgemeinen, die aber nicht allen Zugezogenen offenstehen) den Wecker an einem Donnerstag eine halbe Stunde früher zu stellen, um vor Beginn des Arbeitstags das Wahlkreuzchen – nicht mit einem Kuli, sondern einem Bleistift – zu setzen. Dass man am Nachmittag nicht gebannt die Wahlhochrechnungen verfolgt, sondern den Blick auf den nächsten Morgen richtet.

Wahlen am Sonntag? Für Briten undenkbar. Viel zu nah am Kirchen- und Pubbesuch (die nicht gefährdet werden bzw. Wähler nicht beeinflussen sollen). Und natürlich eine Möglichkeit, Überstunden zu sparen, die Beamten am Sonntag zustünden. Das Bleistiftkreuz? Hat laut Wahlkommission praktische Gründe: Es ist günstiger und kann nicht verschmieren. Ausgezählt werden die Stimmen in England traditionell bis tief in die Nacht. Die Gewinner werden um vier Uhr Früh verkündet und ziehen oft am nächsten Werktag – vielleicht gerade, wenn Sie diese Zeilen lesen – in ihre Büros ein.

Seltsam? Nur, wenn man es nicht gewöhnt ist.

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