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Lektion 32: Über die eigene Wichtigkeit

Von einer Österreicherin, die auszog. Sowie den Hürden und Hindernissen, die sie dabei meistert.
Anna-Maria Bauer aus London
Porträt von Anna-Maria Bauer.

In fünf Jahren passt man sich eben doch an. Als Kind konnte man diese Kolumnistin mit kaum etwas so sehr jagen wie dem Verkleiden. Klebrige Gesichtsfarbe, einschneidende Kleidungsstücke und unhandliche Accessoires. Doch als der britische Partner vergangenes Wochenende vorschlug, einen Film – der ab heute auch im Streaming erhältlich ist – nicht nur im Kino anzusehen, sondern sich auch dem Film passend zu kleiden, musste er nicht zwei Mal fragen. Dass Fasching bereits vorüber ist, kam zunächst gar nicht in den Sinn. Heinrich VIII. hat mit seiner scheidungsfreundlichen Religionsvariante auch die Fastenzeit abgeschwächt.

Charismatische Shelby

Zugegeben, ein wenig hatte es mit der Filmwahl zu tun. Während Action- oder Gangster-Serien sonst beim Trailer ausscheiden, wurde jede Folge der sechs Staffeln „Peaky Blinders“ mit ungekannter Faszination verfolgt. Cillian Murphy ist als skrupelloser und in seiner Verletzlichkeit so charismatischer Thomas Shelby ein ungewöhnlicher Welthit gelungen. Und so verließen wir Samstagabend das Haus in Tellerrockkleid und Tweed-Anzug.

Wie ausufernd die Verkleidungsliebe der Briten sein kann, offenbarte sich das erste Mal so richtig vor sieben Jahren bei einer Sommer-Kreativ-Schreibwoche im nordenglischen Derbyshire. Derart viele Teilnehmer hatten ihre Flower-Power-Outfits für die Fancy-Dress-Disco im dorfeigenen Verkleidungsladen ausgeliehen, dass Kurzentschlossene abgewiesen werden mussten.

Im südenglischen Kino waren wir dann doch die Einzigen in passenden Outfits. Als wir ein Foto beim Papp-

Shelby machten, streiften uns Blicke: Neidisch oder amüsiert? Aber auch das ist nach fünf Jahren England angekommen: Dass man sich nicht so wichtig nehmen muss.

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