Autozulieferer in der Krise: "Vier Millionen Autos werden nicht gebaut"
Die Lage in Österreichs Automotive-Zulieferindustrie ist angespannt. Mangelnde Planbarkeit, rückläufige Abrufe und geopolitische Unsicherheiten setzen der Branche massiv zu. „Bei allen ist es momentan schwierig. Die Planungssicherheit ist nicht gegeben, man kämpft um jeden Auftrag“, fasst Clemens Zinkl von der ARGE Automotive Zulieferindustrie in der WKO die Situation zusammen. Die rund 900 Betriebe der Branche, die zusammen knapp 28 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften, stehen unter enormem Druck. Das Kernproblem liegt in der schwächelnden europäischen Automobilproduktion.
„Es fehlen uns im Jahr knapp vier Millionen Autos, die in Europa nicht gebaut werden“, rechnet Zinkl vor. Die Folge: Die Abrufe der Hersteller liegen deutlich unter Plan.
Bittere Schließungen
Die Pleiten und Werksschließungen sprechen eine deutliche Sprache: Anfang Jänner 2026 schlitterte der steirische Zulieferer Wollsdorf Leder Schmidt & Co GmbH., der Leder für Automobile herstellt, in die Insolvenz. Insgesamt sind 365 Mitarbeiter betroffen, die Schulden wurden mit 32 Millionen Euro beziffert.
Mitte Jänner 2026 schlitterte der niederösterreichische Autozulieferer Eitek, der Komplettinnenausstattungssystemen an die Autobauer liefert, in die Pleite. 442 Mitarbeiter sind betroffen, die angemeldeten Forderungen: 24,1 Millionen Euro.
Großer Stellenabbau
Der Autozulieferer Nemak schließt sein Werk in Herzogenburg bis zum Ende des ersten Quartals 2027, 330 Jobs werden gestrichen. Nemak fertigt Aluminiumkomponenten für die Autoindustrie. Das Werk in Herzogenburg hatte die Firma erst vor wenigen Monaten vom Schweizer Industrieunternehmen Georg Fischer übernommen.
Der Automobilzulieferer ZKW wird bis Ende 2027 in Niederösterreich 600 Stellen abbauen. Betroffen ist der Standort in Wieselburg, wo rund 570 Arbeitsplätze wegfallen werden. Weitere 30 Arbeitsplätze bei ZKW in Wiener Neustadt sind ebenfalls betroffen.
5.000 Stellen verloren
Zwischen 2024 und 2025 verlor die Branche hierzulande fast 5.000 Arbeitsplätze. „Das war das erste Mal, dass wir tatsächlich Personal abbauen mussten“, so Zinkl. Nemak sei nur ein Beispiel für Betriebe, die „sich wahnsinnig schwer tun, mit dem aktuellen Gesamtgefüge kompetitiv zu bleiben“, erklärt der Experte.
Österreich kämpft mit hohen Lohn- und Lohnnebenkosten. „Wir müssen bei den Faktorkosten und Lohnstückkosten runterkommen“, sagt Experte Zinkl. Die Branche sei zwar traditionell anpassungsfähig und überaus innovativ, doch ohne verlässliche Planbarkeit und klare Strategien seien die notwendigen Investitionen kaum noch zu stemmen. Hinzu kommen die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise sowie der Wettbewerbsdruck durch die immer stärker auf den Markt drängenden chinesischen Hersteller, die mit staatlicher Hilfe in Europa zu konkurrenzlos günstigen Preisen anbieten können.
Solange in Brüssel keine Klarheit über die Zukunft des Verbrenners herrsche und sich die großen Hersteller nicht auf eine Strategie einigen, fehle den Zulieferern die Basis für Investitionsentscheidungen, heißt es.
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