Porsche bringt wieder Flachbau-Renner, aber nur für einen Kunden
Zusammenfassung
- Porsche hat über die Abteilung Sonderwunsch für einen Kunden einen einzigartigen Flachbau-Renner auf Basis eines 911 GT2 RS mit Weissach-Paket realisiert.
- Das Einzelstück greift historische Flachbau-Elemente auf und kombiniert flachere Kotflügel, ein spezielles LED-Lichtsystem sowie einen vom 911 GT3 R Rennsport inspirierten Heckflügel mit optimierter Aerodynamik.
- Die Umsetzung dauerte drei Jahre, einen Preis dafür nennt man nicht.
Wenn man an Porsche herantritt, um für sich ein ganz besonderes Modell realisieren zu lassen, wird einem in den meisten Fällen geholfen. So auch einem Kunden, der folgende Wünsche äußerte: „Bitte noch mehr Performance und eine Flachbau-Optik, kombiniert mit einem Heckflügel à la 911 GT3 R Rennsport.“
Der Flachbau war in der Vergangenheit durchaus ein Thema bei den Stuttgartern. Begonnen hat es im Jahr 1976 und hatte seine Ursprünge im Motorsport. Ein neues Reglement besagte, dass die Form der Kotflügel frei sei, und so kam man auf eine flache Front. Der Grund war auch einleuchtend: eine bessere Aerodynamik. Es entstand der legendäre Typ 935. In den 1980er-Jahren konnte man für den 911 Turbo (Typ 930) eine vergleichbare Umbauvariante mit modifizierten Kotflügeln und Klappscheinwerfern ordern.
Der neue Flachbau-Porsche mit seinen Vorbildern: Ganz hinten der Rennwagen, links eine limitierte Kleinserie von 2018.
Heutzutage ist es eben die entsprechende Kundschaft, die so eine Optik haben will. Dann tritt die Abteilung Sonderwunsch auf den Plan. Die Stuttgarter unterscheiden dann drei Phasen: zunächst das sogenannte Pre-Alignement. Es folgt die Concept Phase und hier wird der Kunde schon zur Kasse gebeten. Rund 150.000 Euro sind hierfür fällig. Geht es dann in die Realisierung, schwankt der Preis, je nachdem, wie viel zu machen ist. Zwischen 2 und 15 Millionen Euro lautet die Auskunft der Abteilung Sonderwunsch.
Bis das gewünschte Objekt dann fertig ist, dauert es zwei bis drei Jahre. Drei Jahre hat es gedauert, bis das Flachbau-Projekt, das Porsche nun der Öffentlichkeit präsentiert, fertig war. Die Basis lieferte ein 911 GT2 RS (Typ 991.2) mit Weissach-Paket aus dem Baujahr 2018.
„Zentrales Element neben den flacheren Kotflügeln ist die Scheinwerfer-Kaskade mit ihren terrassenförmig angeordneten, sehr schmalen LED-Einheiten“, erklärt Grant Larson, der für das Design zuständig war. Die Kotflügel haben nun eine flachere Form und tragen schlitzförmige Luftauslässe. Durch diese sogenannten „Louvres“ werden die Radkästen entlüftet und der Staudruck abgebaut. Anstelle der runden Serien-Scheinwerfer kommt ein ausgeklügeltes Lichtsystem zum Einsatz: Die drei LED-Elemente für Fern-, Abblend- und Tagfahrlicht sind terrassenförmig übereinander angeordnet. Dabei sind die einzelnen Lichteinheiten sehr flach: Abblend- und Fernlicht sind nur jeweils knapp vier Zentimeter hoch, das Tagfahrlicht ist mit weniger als zwei Zentimetern noch schmaler ausgeführt.
Für die optimierte Aerodynamik hat man eng mit den Motorsport-Spezialisten von Manthey zusammengearbeitet und so kommen diverse Anbauteile vom Manthey-Kit. Markant gestaltet ist auch das Heck mit einem unübersehbaren Flügel. Der neue Heckflügel mit s-förmiger Anbindung ans Fahrzeug wurde vom entsprechenden Bauteil des 911 GT3 R Rennsport (Typ 992) inspiriert, ist hier aber etwa fünf Zentimeter höher ausgeführt. Für unterschiedlich starken Abtrieb je nach Streckenprofil kann er manuell in drei Stellungen fixiert werden.
Übrigens ist der Flachbau-Porsche um 31,6 kg leichter geworden. „Das klingt zunächst vielleicht unspektakulär, allerdings diente mit dem 911 GT2 RS mit Weissach-Paket bereits ein kompromisslos auf Leichtbau getrimmtes Sportmodell als Basis“, erklärt Alexander Fabig, Leiter Produkt & Individualisierungsangebot bei Porsche.
Um Gewicht zu reduzieren, wurde auch im Interieur ausgeräumt. Der Bereich hinter den Sitzen wurde eliminiert und auch das Porsche Communication Management ließ man weg. Sämtliche Komponenten des Audiosystems wurden ebenso demontiert, geräuschdämmende Verkleidungen sowie Bodenbeläge in Innen- und Kofferraum flogen ebenso teilweise raus. Übrig geblieben ist ein spartanischer Innenraum, geprägt durch rotes Alcantara, schwarzes Leder und Sichtcarbon. Dafür gibt’s nun eine goldfarbene Plakette mit dem Sonderwunsch-Schriftzug und der auf einer Platte eingravierten Information „Factory One-Off 2026 | Flachbau RS“.
Bevor das Auto an den Kunden geht, wurde es natürlich auf Herz und Nieren getestet, unter anderem auf der Nürburgring-Nordschleife. „Auf der Nordschleife wird unmittelbar klar, wie sauber ein Aerodynamik-Konzept funktioniert“, sagt Porsche-Testfahrer Lars Kern. „Der Flachbau RS bleibt auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten extrem stabil und präzise. Genau diese Rückmeldung braucht es, um ein so radikal verändertes Karosseriekonzept abzusichern.“
Wieviel der Kunde für seinen Flachbau bezahlt hat, verrät Porsche Sonderwunsch freilich nicht.
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