Kaffeemaschine, Kühlbox oder Elektrogrill: Wie schlägt sich das E-Auto als Powerbank?
Für Fahrer von E-Autos bietet die V2L-Funktion insgesamt eine praktische Gelegenheit, unterwegs und auch an abgelegenen Orten (z.B. auf Ausflügen oder beim Camping) Strom zu beziehen.
Zusammenfassung
- Ein ADAC-Test mit sechs E-Autos zeigt, dass die V2L-Funktion externe Geräte zuverlässig mit Strom versorgen kann und damit im Alltag, etwa beim Camping oder im Garten, praktischen Nutzen bietet.
- Bei Sicherheitstests reagierten alle untersuchten Fahrzeuge auf Kurzschlüsse und Überlastungen regelkonform mit Abschaltung, größere Risiken oder Schäden traten dabei nicht auf.
- Nachbesserungsbedarf sieht der ADAC bei Bedienung, Adapterverriegelung, Regenschutz und dem teils hohen Eigenverbrauch der Fahrzeuge im V2L-Betrieb.
Moderne Elektroautos sind längst mehr als reine Fortbewegungsmittel. Viele Modelle können ihren gespeicherten Strom auch für externe Anwendungen bereitstellen. Möglich macht das die sogenannte Vehicle-to-Load-Funktion (V2L), über die sich elektrische Geräte direkt am Fahrzeug betreiben lassen. Experten des ADAC haben nun in einer Studie sechs E-Autos mit dieser Technologie genauer unter die Lupe genommen. Im Fokus der Untersuchung standen die Sicherheit, die Belastbarkeit sowie die Bedienfreundlichkeit der V2L-Funktion.
Denn: Zunehmend rückt nicht nur das Aufladen, sondern auch die Entnahme von Strom, das Bidirektionale, in den Fokus von Elektroauto-Fahrerinnen und -fahrern. Während die Rückspeisung von Strom ins Haus (Vehicle-to-Home; V2H) oder ins Stromnetz (Vehicle-to-Grid; V2G) noch teure Nischenanwendungen sind, hat Vehicle-to-Load (V2L) den Weg in den Massenmarkt gefunden.
Studie zeigt Stärken und Schwächen
Dabei handelt es sich nicht um Spielerei. Die V2L-Funktion kann einen echten Mehrwert für unterschiedlichste Zielgruppen darstellen, egal ob für Camping, im Garten oder andere Outdoor-Anwendungen. Beispiele sind das Betreiben einer Kühlbox, eines Tischgrills, einer Heckenschere oder das Aufladen eines E-Bikes. Ein oft aufwendiger Netzanschluss oder die Anschaffung eines teuren Stromaggregats wird dadurch überflüssig.
So die Theorie. Doch bisher gab es noch keine systematischen Versuche zur Sicherheit und Bedienung der Ladefunktion externer Elektrogeräte. Deshalb hat der ADAC an verschiedenen E-Autos untersucht, wie gut Vehicle-to-Load funktioniert, wie sicher es ist und wo es Verbesserungspotenziale gibt.
Grundsätzlich funktioniert die Technik bei allen Fahrzeugen gleich: Ein spezieller Adapter verwandelt die Ladebuchse des Fahrzeugs in eine herkömmliche Steckdose. Die maximale Leistung, die abgegeben werden kann, ist abhängig vom Hersteller: Während beim MG4 nur 2,2 kW möglich waren, konnte der BMW kurzzeitig sogar 7,2 kW bereitstellen. Derart hohe Lasten sind in diesem Fall wünschenswert, da einige Elektrogeräte (z.B. Werkzeugmaschinen) üblicherweise hohe Anlaufströme haben. Im Dauermodus liegt die Leistung herstellerübergreifend nicht höher als 3,7 kW. Im Rahmen der Studie wurden die Fahrzeuge zudem auf Kurzschlusssicherheit geprüft. Hierbei reagierten alle Systeme vorbildlich und unterbrachen die Stromversorgung, ohne dass es zu einer Gefährdung kam.
- BMW iX3
- BYD Seal
- Kia EV5
- MG4
- Renault 5
- XPeng G9
Außer dem bidirektionalen Ladegerät im Auto ist zum Aufladen oder Betreiben von elektrischen Geräten ein Adapter vonnöten, der in die Ladebuchse des Autos passt. Die Hersteller-Adapter der sechs Testwagen waren nicht einheitlich, sondern unterschiedlich gestaltet.
Regenschutz ja oder nein?
Die Adapter von MG und BYD haben ein Kabel, an dessen Ende eine Mehrfachsteckdose angebracht ist. Beim Kia-Adapter ist ein Regenschutz vorgesehen, der das Eindringen von Nässe während des Entladens verhindern soll. Alle anderen Adapter bieten keinen speziellen Regenschutz. Aber Achtung: Um nicht haftbar gemacht werden zu können, untersagen alle Hersteller die V2L-Funktion bei Nässe.
Bei BMW und XPeng startet ein Ladevorgang ohne jede weitere Aktion: Einstecken, kurz warten, Ladedose leuchtet, Funktion ist verfügbar. Bei BYD und Kia muss ein Knopf am Adapter gedrückt werden, um V2L zu aktivieren, bei MG ein Touchbutton im Display. Bei Renault erfolgt die Aktivierung durch ein langes Drücken auf den Knopf am Adapter.
Adapter aus dem Zubehörhandel wurden hier nicht untersucht.
Ängste, dass Vehicle-to-Load gefährlich werden könnte, kann der ADAC zerstreuen: Auf Kurzschlüsse und Überlastungen haben alle untersuchten Fahrzeuge regelkonform mit Abschaltung reagiert.
Überlastungen können passieren, wenn ein angeschlossenes Gerät mehr Strom zieht, als der Adapter am Fahrzeug hergibt. Die gemessenen Spitzenleistungen beim V2L lagen bei allen Fahrzeugen unter den 3,7 kW, auf die Steckdosen im Haushalt maximal ausgelegt sind. Nur der BMW iX3 ließ 4 bis 5 kW etwa 10 Minuten zu, bevor er abschaltete. Das ist aber durchaus zulässig. Eine gewisse, zeitlich limitierte Überlastung kann nämlich hilfreich sein, damit kurzfristig hohe Anlaufströme beim Einschalten eines externen Gerätes, wie zum Beispiel einer Heckenschere oder Handkreissäge, nicht zu dessen sofortiger Abschaltung führen.
Wie hoch ist das Sicherheitsrisiko?
Bei dem im ADAC-Versuch gezielt herbeigeführten Kurzschluss haben alle Fahrzeuge abgeschaltet, sodass kein Sicherheitsrisiko bestand. Beschädigungen an Adaptern oder Fahrzeugen waren nicht erkennbar, alle Fahrzeuge waren weiterhin uneingeschränkt fahrtauglich. Kein Hochvolt- oder anderes elektrisches System hat Schaden genommen.
Ebenfalls gut: Bei fast allen Fahrzeugen stand die V2L-Funktion nach dem Test-Kurzschluss durch Aus- und Wiedereinstecken des Adapters sofort wieder zur Verfügung. Nur der Renault 5 musste für das Reset in einen Ruhezustand versetzt werden. Das ist vergleichsweise umständlich, weil der Stecker abgesteckt, das Fahrzeug verlassen und der Schlüssel für mehrere Minuten außer Funkreichweite gebracht werden muss. Vor allem war das nötige Vorgehen nicht in der Bedienungsanleitung beschrieben. Die Tester mussten es selbst herausfinden.
Allerdings zeigten die Untersuchungen auch einige Verbesserungspotenziale. So verriegelt nicht jeder Hersteller den Adapter, sobald er am Fahrzeug angeschlossen wird. Vereinzelt kann man sogar während der Stromversorgung den Adapter abziehen. Auch bei der Bedienung gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten: Bei einigen Herstellern ist nicht klar, ob die V2L-Funktion im Menü oder am Adapter aktiviert werden muss. Teilweise erschienen auch irreführende und unpräzise Fehlermeldungen wie „OBC prüfen“, obwohl im Bordladegerät gar kein Fehler vorlag. Befremdlich ist zudem, dass kein Hersteller eine Freigabe für den Betrieb bei Regen gibt, obwohl die Adapter eigentlich gerade für den Außenbetrieb ausgelegt sein sollten.
Praktisch oder problematisch?
Nicht zu unterschätzen ist auch der Eigenverbrauch im V2L-Modus. Beim Betrieb müssen das Bordsystem und der Onboard–Lader aktiv sein. In Summe kommt ein Verbrauch von bis zu 500 Watt zusammen - das ist vergleichbar mit einem durchschnittlichen Einfamilienhaus in der Nacht. Für kürzere Einsätze ist das weniger relevant, bei längerfristiger Nutzung frisst die V2L-Funktion aber merklich Strom.
Für Fahrer von E-Autos bietet die V2L-Funktion insgesamt eine praktische Gelegenheit, unterwegs und auch an abgelegenen Orten (z.B. auf Ausflügen oder beim Camping) Strom zu beziehen. Der ADAC empfiehlt, sich besonders vor der ersten Benutzung mit den Funktionen und der Bedienung der V2L-Funktion ihres Fahrzeugs vertraut zu machen. Insbesondere bei einer langen Nutzung am Stück sollte auch der Eigenverbrauch beachtet werden.
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