Warum erleben nur 38 Prozent das Radfahren im Ort als sicher?
VCÖ-Radfahrumfrage: Österreichs Gemeinden und Städte haben punkto Radfahrfreundlichkeit noch aufzuholen
Zusammenfassung
- Die VCÖ-Radfahrumfrage unter 5.443 Radfahrenden in 1.005 Gemeinden zeigt, dass viele Orte bei der Radfahrfreundlichkeit noch deutlichen Aufholbedarf haben.
- Positiv bewertet werden vor allem die Erreichbarkeit wichtiger Alltagsziele mit dem Fahrrad (71 Prozent), während Radwegezustand, Abstellplätze und die Anbindung an Haltestellen vielfach als verbesserungswürdig gelten.
- Die größten Defizite betreffen die Sicherheit: Nur 38 Prozent erleben Radfahren im Ort als sicher, 72 Prozent wünschen mehr Platz und besonders kritisch gesehen werden hohes Kfz-Tempo, zu geringer Überholabstand und mangelnde Sicherheit für Kinder.
Mehr als 5.400 Radfahrerinnen und Radfahrer haben bei der VCÖ-Radfahrumfrage insgesamt 1.005 Gemeinden und Städte nach 21 Kriterien bewertet. Das Ergebnis: Bei der Radfahrfreundlichkeit haben viele Gemeinden und Städte noch großen Aufholbedarf.
Doch das Positive zuerst.
Die beste Note gibt es bei der VCÖ-Radfahrumfrage für die Erreichbarkeit der Alltagsziele mit dem Fahrrad. 71 Prozent sagen, die wichtigen Ziele im Ort sind sehr gut oder gut mit dem Fahrrad erreichbar. Auch mit der Öffnung der Einbahnen für den Radverkehr in beide Richtungen ist mit 54 Prozent die Mehrheit zufrieden. 48 Prozent bewerten den Zustand der Radwege in ihrer Gemeinde als gut beziehungsweise sehr gut, 52 Prozent aber als schlecht beziehungsweise sehr schlecht.
Mehr Radabstellplätze
Für 47 Prozent ist die Erreichbarkeit der Haltestellen oder Bahnhöfe im Ort mit dem Fahrrad gut, für 53 Prozent überwiegt der diesbezügliche Verbesserungsbedarf. 58 Prozent wollen mehr Radabstellplätze im Ort, etwa bei Geschäften oder Freizeiteinrichtungen. Ebenso viele beklagen die ungenügende Räumung der Radwege im Winter.
Sehr großen Aufholbedarf gibt es vielerorts bei der Verkehrssicherheit fürs Radfahren. Nur 38 Prozent erleben das Radfahren im Ort als sicher, nur 34 Prozent bewerten die Kreuzungen in der Gemeinde bzw. Stadt als übersichtlich. Jeweils 67 Prozent der Radfahrerinnen und Radfahrer erleben zu hohes Tempo des Kfz-Verkehrs und mangelnden Sicherheitsabstand durch überholenden Kfz-Verkehr als Problem. Ein Risiko durch Dooring (Gefährdung beim Radfahren durch öffnende Autotüren von geparkten Fahrzeugen) sehen 64 Prozent in dem von ihnen bewerteten Ort. Insgesamt bewerten nur 20 Prozent das Radfahren in ihrem Ort für Kinder als sicher oder sehr sicher.
72 Prozent wünschen mehr Platz
„Kinder sind ein guter Indikator für die Sicherheit beim Radfahren in einem Ort. Dort, wo viele Kinder mit dem Rad unterwegs sind, sind die Bedingungen fürs Radfahren gut und sicher. Wo wenig Kinder und Familien Radfahren, ist das ein Indiz, dass die Gemeinde beziehungsweise Stadt in Bezug auf die Radfahrfreundlichkeit Aufholbedarf hat“, erklärt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Einen großen Einfluss auf die Sicherheit fürs Radfahren haben die Infrastruktur und das Tempolimit im Ort. Nur 37 Prozent bewerten die Rad-Infrastruktur in der Gemeinde als gut und sicher. Nur 31 Prozent sagen, dass in ihrem Ort auf jenen Straßen, wo es keine baulich getrennten Radwege gibt, maximal Tempo 30 gilt. Das heißt, in vielen Orten müssen Radfahrerinnen und Radfahrer auf Straßen fahren, wo ein höheres Tempolimit gilt, was von vielen als unangenehm und unsicher erlebt wird. 72 Prozent wünschen mehr Platz zum Radfahren in ihrem Ort.
„Tempo 30 statt 50 ist in Zeiten knapper Budgets eine sehr kostengünstige Maßnahme, um das Radfahren für alle Altersgruppen sicherer und angenehmer zu machen. Darüber hinaus sind Straßensanierungen zu nutzen, um die Infrastruktur für den Radverkehr gleich mitzudenken und mitzuerrichten“, empfiehlt VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk.
Ein Faktor für die Entscheidung, ob eine kürzere Strecke mit dem Rad gefahren wird, ist auch die Fahrzeit. Die Wegeführung der Radrouten sowie die Ampelschaltung beeinflussen die Fahrzeit mit dem Rad. Nur 35 Prozent bewerteten bei der VCÖ-Radfahrumfrage die Radrouten im Ort als direkt, nur 34 Prozent sagten, dass es in ihrer Stadt bei Ampeln Grünpfeile gibt, die dem Radverkehr bei Rot das Rechtsabbiegen oder bei T-Kreuzungen das Geradeausfahren bei Ampeln erlauben.
Die VCÖ-Radfahrumfrage wurde von 12. Mai bis 21. Juni 2026 durchgeführt. Insgesamt haben 5.443 Radfahrerinnen und Radfahrer insgesamt 1.005 Gemeinden und Städte nach 21 Kriterien bewertet. Es konnten auch zwei Orte bewertet werden, zum Beispiel Wohnort und Arbeitsort. Insgesamt flossen rund 6.200 Bewertungen in das Ergebnis der VCÖ-Radfahrumfrage ein.
Hier die sieben größten Problemstellen: D ie Durchschnittsnote (4-teilige Notenskala), in Klammer der Anteil Summe (sehr) zufrieden / (sehr) unzufrieden bzw. stimme (sehr) zu / stimme (überhaupt) nicht zu)
- Zu hohes Tempo des Kfz-Verkehrs ist in diesem Ort kein Problem: 2,9 (33 Prozent / 67 Prozent)
- Radfahrende müssen meist nicht im Bereich von parkenden Autos fahren (Dooring-Gefahr): 3,0 (36 Prozent / 64 Prozent)
- Wo es im Ort keine baulich getrennten Radwege gibt, gilt meist maximal Tempo 30: 3,0 (31 Prozent / 69 Prozent)
- Im Ort wird dem Radverkehr ausreichend Platz eingeräumt: 3,0 (28 Prozent / 72 Prozent)
- Wenn es Ampeln gibt, sind diese radfahrfreundlich geschaltet: 3,0 (26 Prozent / 74 Prozent)
- Kfz überholen mit ausreichend Sicherheitsabstand: 3,1 (24 Prozent / 76 Prozent)
- Aus meiner Sicht ist im Ort Radfahren für Kinder gut und sicher möglich: 3,2 (20 Prozent / 80 Prozent)
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