Dienstfahrräder: Kilometergeld, Steuern - lohnt sich das Radeln?

Auf zwei statt vier Rädern zur Arbeit? Seit 2022 hat sich die Zahl der Jobräder versechsfacht.
A man rides an electric bicycle, also known as an e-bike, in downtown Milan

Zusammenfassung

  • Die Zahl der Diensträder in Österreich hat sich seit 2022 versechsfacht, vor allem durch steuerliche Vorteile und Leasingmodelle.
  • Beim Dienstrad-Leasing sinkt das steuerpflichtige Einkommen durch Gehaltsumwandlung, was besonders für Besserverdienende attraktiv ist.
  • Das Modell verbreitet sich zunehmend in Unternehmen und öffentlichem Dienst, stößt aber auf bundesgesetzliche Hürden.

Dienstwagen gehörten und gehören für viele gehobene Positionen lange zu einem beliebten "Zuckerl" im Arbeitsvertrag. Aber ein Dienstfahrrad?

Wie aktuelle Zahlen zeigen, sind diese in Österreich immer beliebter. Denn während der klassische Privatkauf bei Fahrrädern stagniert, wächst der Markt für Dienstrad-Leasing in Österreich (freilich von geringem Niveau aus) stark: Seit 2022 habe sich die Zahl der Jobräder versechsfacht, sagte Alexander Zalokar, Geschäftsführer von Lease a Bike Österreich. Der Fahrradboom der Coronajahre sei zwar vorbei, Wachstumschancen gebe es aber etwa durch den Zugang im öffentlichen Dienst oder jüngerer Generationen, die verstärkt aufs Rad setzten.

Steuerpflichtige Einkommen sinkt

Konkret basiert das Dienstrad-Leasing, das in dieser Form seit einer Steuerreform 2020 möglich ist, auf dem sogenannten Prinzip der Gehaltsumwandlung. Die monatlichen Raten werden dabei vom Bruttogehalt abgezogen, wodurch das steuerpflichtige Einkommen sinkt. Dadurch profitieren vor allem Menschen mit höheren Einkommen von der Regelung. Laut Zalokar beträgt die finanzielle Ersparnis gegenüber einem Privatkauf bis zu 40 Prozent. 

Die Beschäftigten können das Dienstrad uneingeschränkt privat nutzen und nach dem Leasingzeitraum zum Restwert kaufen - rund 90 Prozent würden sich dazu entscheiden. Auch für Arbeitgeber biete das Modell Vorteile, da etwa die Lohnnebenkosten sinken.

Einige Zehntausend Firmen sind dabei

Jobräder sind in Österreich bereits recht verbreitet. Einige Zehntausend Firmen (darunter auch Ein-Personen-Unternehmen) nutzten Dienstrad-Leasing, schätzt Zalokar. Eine sehr starke Nutzung sehe der Leasing-Anbieter bei produzierenden Unternehmen, speziell auch in Westösterreich. Auch im Dienstleistungsbereich, darunter etwa Banken und Versicherungen, werde das Angebot gut aufgenommen. Topseller seien dabei nach wie vor das E-Bike oder das Mountainbike, wobei das klassische Fahrrad, das Rennrad und das Gravelbike eine Renaissance erlebten.

Offene Fragen

Auch der öffentliche Dienst zieht bei Jobrädern nach. Vorarlberg, Oberösterreich und Tirol regelten das Dienstrad-Leasing individuell über Landesgesetze, wovon Landesbedienstete in diesen Bundesländern profitierten. In der Steiermark, Kärnten und dem Burgenland befänden sich entsprechende Verordnungen bereits im Gespräch oder in Vorbereitung. 

Auf Bundesebene verhindere dagegen die aktuelle Rechtslage durch eine verpflichtende 50-prozentige Arbeitgeberbeteiligung und die dienstliche Zweckbindung eine flächendeckende Nutzung, so Zalokar. Hier braucht es aus Sicht des Leasing-Anbieters eine Gesetzesänderung "hin zu einer reinen, budgetneutralen Bruttogehaltsumwandlung ohne Dienstgeberkosten".

Lease a Bike ist nach eigenen Angaben einer der führenden Anbieter für Fahrrad- und E-Bike-Leasing in Österreich. Das Unternehmen gehört mehrheitlich zur niederländischen Pon-Gruppe, die nach eigenen Angaben weltweit über 11.300 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von 10 Mrd. Euro hat.
Das Unternehmen ist seit 2022 am österreichischen Markt vertreten. Zudem gibt es Standorte in Deutschland, Niederlande, Belgien, Schweden und Frankreich.

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