PK AKTUELLER STAND OMIKRON IN ÖSTERREICH: OSTERMANN / MÜCKSTEIN

© APA/GEORG HOCHMUTH / GEORG HOCHMUTH

Leitartikel
12/14/2021

Zittern vor Omikron: "Angst essen Seele auf"

Dass wir uns wenige Tage nach den Öffnungsschritten schon vor weiteren Lockdowns fürchten, zeigt, was das Virus mit uns gemacht hat

von Martin Gebhart

Es ist noch keine vier Tage her, dass ein Lockdown für Geimpfte großteils zu Ende gegangen ist, und schon reden wir davon, dass nach dem Jahreswechsel wieder zugesperrt werden könnte. Statt der Freude über zurückgewonnene Freiheit dominiert die Corona-Variante Omikron die öffentliche Diskussion. Und verbreitet Angst, je öfter mit ihr die verschiedensten Hiobsbotschaften verbunden werden. Das hat sogar die Virologin Dorothee von Laer, die in der Vergangenheit mit besonders scharfen Aussagen zur Corona-Lage im Land aufgefallen war, dazu veranlasst, vor übertriebener Hysterie und Panik zu warnen. Die Faktenlage sei derzeit einfach zu dünn, um genau sagen zu können, welche Folgen Omikron für uns haben wird. Auf Twitter rügte sie sogar ihre – auch internationalen – Kollegen für Horrormeldungen, für die es bisher noch keine ausreichende wissenschaftliche Basis gebe.

„Angst essen Seele auf“ ist ein berühmter Film des deutschen Regisseurs Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1973 über einen Gastarbeiter in Deutschland. Mittlerweile wird der Titel allgemein verwendet, um die zerstörerische Wirkung von Angst auf die Stimmungslage in der Bevölkerung zu beschreiben. Corona hat es geschafft, solche Angstempfindungen zu implementieren.

Dass sich der Satz des Ex-Bundeskanzlers, dass die Pandemie für Geimpfte vorbei sei, nicht bewahrheitet hat, verstärkt dieses Gefühl.

Für eine Gesellschaft ist diese Entwicklung mindestens genauso gefährlich, wie es die Aggressionen rund um das Impfen sind, auch wenn es ein stiller Prozess am anderen Ende des Spektrums ist. Sie ist auch bei immer mehr Menschen jeden Alters anzutreffen. Solche Angst bremst, sie ist nicht auf Zukunft ausgerichtet, sie bewegt die Menschen dazu, sich zurückzuziehen, sich abzuschotten. Am Ende sind diese Menschen dann genauso wenig zu erreichen wie die harten Impfgegner, weil sie vom öffentlichen Leben enttäuscht sind, weil sie in ihm nur noch eine Gefahr sehen.

Diese Stimmungslage kann nicht damit vertrieben werden, dass man trotz der Variante Omikron eine heile Welt vorspielt. Hilfreich wäre aber, wenn das Spektrum der Beurteilungen der Pandemie durch die verschiedensten Experten um einiges schmäler wäre. Zumindest jener Beurteilungen, die öffentlich kommuniziert werden. Und dass die politischen Verantwortungsträger an dem oft – bisher leider nur verbal – strapazierten gemeinsamen Strang ziehen.

Vielleicht muss man aber auch wieder zu einem Weg finden, wo gemeinsam öfter, klarer und auch konsequenter kommuniziert wird. Das berühmte virologische Quartett aus dem Frühjahr 2020, als die Corona-Pandemie gerade ausgebrochen war, lässt grüßen.

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