Meinung
09/26/2020

Worauf es im Leben auch ankommt

Das mangelnde Finanzwissen der Österreicher und der schlechte Ruf der Börse ist auch auf Versäumnisse der Schulen zurückzuführen.

von Robert Kleedorfer

Fast jeder Zweite stuft das eigene Finanzwissen als „unzureichend“ ein, ergab eine Gallup-Umfrage unter 1.000 Österreichern. Andere Erhebungen zeigen, dass 70 Prozent nicht wissen, was ein Fonds ist. Und noch immer ist das Sparbuch die mit Abstand beliebteste Anlageform im Land. Angesichts der auf weitere Jahre tiefen Zinsen nicht die beste Voraussetzung zur Vermögenserhaltung oder - bildung. Finanzminister Gernot Blümel lud daher Ende August Experten zu einer Diskussionsrunde zum Thema Finanzwissen. Diese machte den Auftakt einer nationalen Finanzbildungsstrategie, die bis Ende kommenden Jahres stehen soll.

Schön und gut. Doch die Versäumnisse der Politik in diesem Bereich bestehen seit Jahren und sind vielfältig. In der Schulzeit etwa sind zumindest an AHS Wirtschaft und Börsen so gut wie kein Thema; und wenn doch, werden sie anhand von Skandalen negativ dargestellt. Dabei wird in diesen Jahren der Boden für das Verstehen von Finanzthemen gelegt. Aber lieber werden die Gesteinsschichten aus dem Paläozoikum vorgetragen oder in bildnerischer Erziehung Vasen getöpfert. Eh lieb, aber im Leben zählt auch anderes: nämlich wie man finanziell gut durchs Leben kommt und vorsorgt.

Auch in vielen Parteien wird Börse mit (Ab)Zocken und Spekulanten verbunden. Und um diese zu bestrafen, hat vor einigen Jahren die damalige große Koalition – also mit Zustimmung der ÖVP – die Kapitalertragssteuer auf Wertpapiere erhöht, während sie jene für Sparbücher bei 25 Prozent beließ. Wenn es Blümel also ernst mit seinem Vorhaben ist, Wertpapierbesitz zu fördern, dann sollte er als ersten Schritt schleunigst diese Ungleichbehandlung wieder beenden.

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