Meinung
22.12.2017

Wirtschaftsforscher in der Bredouille

Das Wachstum ist doppelt so stark wie vorhergesagt. Korrekte Prognosen werden zunehmend schwieriger.

Auch Wirtschaftsforscher müssen sich an der Nase nehmen

Mag. Robert Kleedorfer | über falsche Prognosen

Wem ist das nicht schon passiert: ein klarer kalter Wintermorgen, der Wetterbericht verspricht Sonnenschein von früh bis spät. Also die Brettl’n anschnallen und nichts wie rauf auf den Berg. Doch oje, zu Mittag trübt es sich ein, ehe mit kaltem Wind dichtes Schneetreiben einsetzt. Blöd gelaufen für die Betroffenen, die bei korrekter Vorhersage den Tag wohl anders geplant hätten (Verschwörungstheoretiker behaupten, dass solche Irrtümer hie und da bewusst zum Wohlwollen der Freizeitindustrie passieren).

Weitaus größere Auswirkungen haben falsche Prognosen in der Wirtschafts- und Finanzwelt. Wenn etwa Börsianer ein gutes Aktienjahr vorhersagen und Anleger blind darauf vertrauen, kann das böse Folgen haben. Die Finanzkrisen der vergangenen Jahre haben dies gezeigt. Gleiches gilt natürlich aktuell für die Cyberwährung Bitcoin. Wenn selbst ernannte Experten auf einen weiteren Kursanstieg auf 100.000 Dollar und mehr setzen, dann ist Feuer am Dach.

Und nicht zuletzt müssen sich auch Wirtschaftsforscher an der Nase nehmen. So liegen sie mit ihren Prognosen für Österreichs Wachstum in der Regel daneben. Heuer aber besonders. Vor genau einem Jahr sagten sie noch 1,5 Prozent voraus, geworden ist es das Doppelte. "Unerwartete Effekte" wird das dann gerne genannt. So erwiesen sich die befürchteten negativen Auswirkungen der US-Politik unter Trump als ziemlich unbegründet.

Solche falschen Einschätzungen sind mehr als ärgerlich, ziehen doch Politik und Wirtschaft daraus Schlüsse für ihr weiteres Handeln. Zugegeben, vieles ist in der komplex und schnelllebig gewordenen Welt schwieriger einzuordnen. Aber als Konsequenz daraus werden Vorhersagen nicht mehr jene Bedeutung haben wie bisher.