© APA/GEORG HOCHMUTH

Leitartikel
03/24/2021

Willkommen in WNÖB

Im Osten geht zu Ostern die Sonne unter. Hätte man auch früher haben können. Hätte man nicht zehn Regierungen im Land

von Gert Korentschnig

Seit mehr als einem Jahr befinden wir uns in einer Pandemie. Seit mehr als zwei Monaten können wir uns nur noch wundern, wie flach die Impfkurve bleibt und wie sich manche Egozentriker den Schutz erschwindeln. Seit einigen Wochen haben wir stark steigende Infektionszahlen, vor allem in Ostösterreich, wo die meisten Menschen dieses Landes wohnen. Seit einigen Tagen ist klar, dass sehr bald die Kapazitäten an Intensivbetten ausgeschöpft sein könnten, wenn nichts unternommen wird.

Und jetzt kommt der burgenländische Landeshauptmann ins Spiel. Hoch lebe der Föderalismus.

Hans Peter Doskozil wollte offenbar andere Maßnahmen als die vom Gesundheitsminister vorgeschlagenen. Sein Wiener Kollege war eigentlich im Anschober-Boot, aber nicht ganz, weil sein Gesundheitsstadtrat anderes präferierte. Und die nö. Landeshauptfrau war wohl auf Linie des Kanzlers, der wiederum eine andere Position zu seinem zuständigen Minister (und zu sich selbst zu Beginn der Krise) einnahm.

Was also passiert am Höhepunkt der Pandemie? (Und selbst die Krabbelstübler des pandemischen Unterrichts wissen mittlerweile, dass Tempo ein zentrales Kriterium bei der Virusbekämpfung ist.) Der Regierungsgipfel mit Experten geht am Montag mehr oder weniger ergebnislos zu Ende, die drei Bundesländer der Ostregion halten an den Folgetagen ihren eigenen Gipfel mit eigenen Experten ab. Was zu tun ist, entscheiden ja immer noch die Bundesländer und nicht die -Regierung.

Das kann man als pragmatisches Vorgehen interpretieren, so wie früher einmal bei den Sozialpartnern, denen ja auch egal war, wer unter ihnen Kanzler war. Man kann es aber auch als Demütigungsritual sehen und als Zeichen, wo wirklich die Macht sitzt. Wenn WNÖB zusperrt, dann nur, wenn WNÖB es will.

Nun wird zugesperrt, allerdings nicht ganz so heftig, wie zunächst geplant. Sechs Tage lang, dazu kommt eine 24-Stunden-Ausgangssperre. Beginnend mit Gründonnerstag. Warum so spät? Warum erst zehn Tage nach dem echten Regierungsgipfel? (siehe Wissen der Krabbelstübler) Und: Ist das soft? Mittelhart? Hart? Föderalistisch jedenfalls. Ein bissl was für alle. Und ein bissl was gegen alle. Die Eier legende Wollmilchlockdownsau.

Aber wer soll die neue Sperrstund’ zum höchsten Fest, wenn Familienbesuche traditionellerweise heilig sind, kontrollieren? Schon jetzt halten sich nur noch die Falschen an die Vorschriften (die Vorsichtigen nämlich). Wenn auch heuer nicht einmal auf Ostern Verlass ist, kann ein neuer Erlass den Freiheitsdrang wohl kaum behindern.

Klar, dass man handeln musste. Aber dieses Handeln erfolgt zu spät. Für den Handel überhaupt zum falschen Zeitpunkt. Und für die Psyche der Menschen auf desaströse Art.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.