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Meinung
02/18/2020

Wien-Wahl: Ein Königreich für einen Wahlkampfschlager!

Michael Ludwig versuchte sich mit seiner Rede am Dienstag an einer One-Man-Show.

von Christoph Schwarz

Die Amerikanisierung der Wahlkämpfe macht auch vor Wien nicht halt. Und so kommt es, dass – drei kurze Jahrzehnte, nachdem das politische Phänomen international auf der Bildfläche erschien – der Bürgermeister sich und seinem Wahlkampf einen modernen Anstrich verpasst: Michael Ludwig versuchte sich mit seiner Rede am Dienstag an einer One-Man-Show.

Eine Stunde lang sprach er unter dem Motto „Entschlossen für Wien“ vor exklusivem Publikum. Das SPÖ-Logo haben Ludwigs Strategen bei der Veranstaltung konsequenterweise vergessen. Auch die Bühne war nicht in Sozialdemokratie-Rot getaucht, sondern so blaugrau wie Ludwigs Anzug. Man will es sich bei der Wien-Wahl nicht schwerer machen als nötig.

Eine Stunde Michael Ludwig, kann das gut gehen? Seit Dienstag wissen wir: Ja. Und nein.

Ja, denn Ludwigs Ansagen waren inhaltlich durchaus ambitioniert: Gratis-Ganztagsschule, Lehrplatz- und Pflege-Garantie. Das kann gut ankommen und passt zur Rundum-Versorgungsmentalität im roten Wien.

Und nein, denn der Wahlkampfschlager, mit dem Ludwig das Jahr dominieren und eigene Versäumnisse zudecken kann, fehlt weiterhin: Bei Amtsantritt versuchte er sich (gar nicht übel) in Law-and-Order. Als die FPÖ implodierte, lief sich das Thema unerwartet tot. Auf der Öko-Flanke ist er ungeschützt. Die Grünen freut es. Und der SPÖ-Dauerbrenner Wohnbau? Bisher Fehlanzeige.

Im Jahr 2015 sicherten die Flüchtlingsbewegungen und der harte Konflikt mit der FPÖ Michael Häupl einen klaren Wahlsieg. Wenn Ludwigs Strategen nicht rasch ein Thema aus dem Hut zaubern, müssen auch sie auf Hilfe von außen hoffen. Eine unerfreuliche Warteposition für die einst so souveräne Wiener Sozialdemokratie.

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