© Kurier / Franz Gruber

Leitartikel
10/26/2021

Wie es um die Nation bestellt ist

Lassen wir zum Nationalfeiertag das Nationale einmal weg und schauen wir näher auf die Wesensmerkmale der Österreicher.

von Gert Korentschnig

Dass der Nationalfeiertag neuerdings in die Herbstferien eingebettet ist, gibt vielen die Möglichkeit, Dinge in Ruhe und mit etwas Abstand zu betrachten. Dass die Auszeit dann mit Allerheiligen/Allerseelen endet, könnte man als Hinweis auf austriakische Morbidität deuten, aber das nur nebenbei.

Treten wir also nicht beiseite, sondern wirklich zurück und fragen wir uns, was diese Nation, die von Haider einst als „ideologische Missgeburt“ bezeichnet wurde, ausmacht. Leider geht es ja manchen, von einer Gruppierung stark gefüttert, nach wie vor um das Nationale innerhalb der Nation. Das Einende, Gemeinsame, Integrative spielt keine Rolle. Aber den Begriff „Nationalfeiertag“ deshalb zu hinterfragen, würde ebenso viel Aufregung erzeugen wie die Töchter in der Bundeshymne.

Die Nation Österreich also, hervorgegangen aus einem Vielvölkerstaat – wie ist es um sie bestellt? „Es ist ein gutes Land“, heißt es bei Grillparzer. Trifft nach wie vor zu. Österreich steht wirtschaftlich famos da, bietet eine enorme Lebensqualität und viel Sicherheit, lässt kaum jemanden durch das soziale Netz fallen und bringt regelmäßig große Talente hervor. Ob im Bereich der Technik, der Wirtschaft oder der Kunst – das kreative Potenzial ist gewaltig. Allerdings wird es im eigenen Land nur selten erkannt und noch seltener gewürdigt.

Womit wir bei einem offenkundigen Wesensmerkmal wären: einem ausgeprägten Neid. Zahlreichen Österreichern geht es nicht darum, was sie selbst haben, sondern darum, was andere nicht haben dürfen. Das mag an kleinen Nationen innewohnenden Komplexen liegen, resultiert aber auch daraus, dass das Gegeneinander mehr und mehr politisch geschürt wird. Es ist empörend, dass nicht einmal in einer Krise alle an einem Strang ziehen. Dadurch steht Österreich impfquotenmäßig viel schlechter da, als es müsste und tendiert stark Richtung Osteuropa.

Das führt uns zum vielleicht sogar wesentlichsten Merkmal: der schieren Unmöglichkeit, sich auf gemeinsame Strategien zu einigen. Dazu bräuchte es nämlich eine ausgeprägte Diskussionskultur. In Österreich gelten jedoch andere Meinungen als Bedrohung statt als Bereicherung, Kritikfähigkeit existiert nur rudimentär. Verständigen kann man sich höchstens auf Sporthelden – aber selbst bei diesen warten manche nur auf deren Sturz.

Was aktuell erfreulich ist: dass sich der politische Wellengang, wenn auch wohl nur kurzfristig, beruhigt hat und an der Spitze der Regierung jemand steht, der nach ein paar Stolperern Verbindendes und Sachorientiertes ausstrahlt.

Dazu ein frommer Wunsch an die Kombattanten: dass man in diesem wunderbaren Land kapiert, dass Innovation und Tradition, Weltoffenheit und Regionalität einander nicht ausschließen und Vielfalt besser ist als Einfalt.

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