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Kommentar
04/02/2020

Wie die Regierung Wolfgang Fellner rettet

Die Zeitungen sollen gestützt werden. Mit einer Berechnungsmethode, die vor allem einem nutzt.

von Philipp Wilhelmer

Wissen Sie, wie es den Medien geht?

Die Stimmung ist hoch, die Einnahmen im Keller. Die Leserzahlen sind so gut wie selten zuvor. Allerdings sind durch Corona von einer Woche auf die nächste großflächig im ganzen Land Anzeigen storniert worden – wenn der Handel zu hat, was soll man denn bewerben?

Viele Medienhäuser – auch der KURIER – haben daher Kurzarbeit angemeldet, um die nächsten Wochen einigermaßen über die Runden zu kommen und die dringend benötigten Informationen und deren Einordnung an ihre Kundinnen und Kunden liefern zu können.

Das wird in vielen Fällen nicht reichen, deshalb hat die Regierung lobenswerterweise ein Hilfspaket für die Tageszeitungen in Planung. Wenn das Parlament das mit türkis-grüner Mehrheit am Freitag wie geplant beschließt, werden einmalig vier Euro pro Exemplar ausbezahlt. Als Messgröße dient die durchschnittliche Druckauflage.

Softe Währung

Klingt plausibel, ist aber hinterfragenswert, denn aus gutem Grund gilt die gedruckte Auflage bei Zeitungen nicht als harte Währung.

Wichtiger ist, was bei den Lesern ankommt: Abozahlen, verkaufte Auflage, verbreitete Auflage . . .

Die Auflagenkontrolle ist voll von Kennzahlen, die eine seriöse Auskunft darüber geben, ob ein Verlag sinnlose Überschüsse druckt, um Größe vorzugaukeln, oder tatsächlich Leserinnen und Leser erreicht.

Wenn die Regierung also die softeste aller Reichweitenwährungen heranzieht, um Zeitungen mit Hilfsmitteln zu bedenken, wirft das die Frage auf, wem hier gedient wird.

Der Verdacht liegt nahe, dass man damit vor allem einem zur Hilfe kommt: Gratiszeitungszampano Wolfgang Fellner, dessen Druckerpressen seit jeher heiß laufen. Ein problematischer Fokus: Alle werden gerettet, aber einer besonders.