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Kommentar

Wer hat den Ballon geschickt?

Hat Chinas Oberboss Xi Jinping den Spionageballon losgeschickt? Oder haben andere Kader in Peking einen Versuchsballon hochgehen lassen?

von Wolfgang Unterhuber

02/05/2023, 12:25 AM

Nun also doch kurzer Prozess. Nachdem ein Spionage-Ballon aus China tagelang ĂŒber die USA dahinschwebte, wurde er gestern vom US-MilitĂ€r abgeschossen. Stellt sich aber die Frage, warum die Chinesen einen Ballon schicken. Schließlich gibt es Spionagesatelliten.

Angeblich haben Ballons laut Experten einige Vorteile gegenĂŒber anderen AufklĂ€rungsmitteln. Sie können bestimmte Orte ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum besser beobachten als Spionagesatelliten. Die haben in ihrer Erdumlaufbahn nur ein gewisses Zeitfenster, um einen militĂ€risch interessanten Ort zu beobachten. 

Ein Versuchsballon?

Mag ja sein. Aber sie können eben auch sehr leicht abgeschossen werden. Möglich also, dass in Peking jemand das US-MilitĂ€r fĂŒr besonders dumm hĂ€lt, weil man dachte, die Amerikaner wĂŒrden nichts merken. Oder das Ganze war eine Art Versuchsballon, um zu sehen, was so passiert. Interessant wĂ€re auch zu wissen, ob Chinas großer Oberboss Xi Jinping den Flug anordnete oder nicht.

Stellt sich die Frage:  Wie geht es nun weiter im chinesisch-amerikanischen VerhĂ€ltnis? Denn das VerhĂ€ltnis ist ohnedies angespannt. Wegen Taiwan, wegen Chinas Haltung zu Russland im Ukraine-Krieg und ĂŒberhaupt  wegen der strategischen Konkurrenz beider GroßmĂ€chte im pazifischen Raum.

Entspannung war geplant

Xi Jinping und US-PrĂ€sident Joe Biden haben beim G-20-Gipfel in Indonesien Ende vergangenen Jahres eigentlich ausgemacht, die Beziehungen mit regelmĂ€ĂŸigen bilateralen Treffen zu beruhigen. DafĂŒr sollte jetzt US-Außenminister Blinken China besuchen. Wegen der Ballon-AffĂ€re wurde der Besuch jedoch verschoben – aber nicht abgesagt. Das ist ein wichtiges diplomatisches Signal.

FĂŒr Chinas Regierung ist Blinkens Verschiebung freilich ein RĂŒckschlag. Sie erfolgt nach langen BemĂŒhungen chinesischer Beamter, die Beziehungen beider LĂ€nder zu verbessern. Peking kĂ€mpft mit den Folgen seiner Null-Covid-Politik, die es international stark isoliert hat. Die chinesische Wirtschaft ist geschwĂ€cht, hinzu kommt eine Immobilienkrise.

Oder ein Luft-Torpedo?

China braucht auslÀndische Investitionen. Der Ballon-Vorfall passt da nicht dazu. Hat also jemand in Peking die vorsichtige AnnÀherungspolitik der vergangenen Wochen torpediert?

Dazu kommt noch etwas anderes. „Dieser Vorfall stĂ€rkt definitiv die Karten der Vereinigten Staaten“, sagt etwa Geheimdienstexpertin Heather McMahon gegenĂŒber Politico. „Jedes Mal, wenn eine Spionageaktion offengelegt wird, gibt das der Nation, die Opfer der Aktion wurde, einen Vorteil.“

Angesichts der Peinlichkeit der AffĂ€re fĂŒr China könnte es den USA nun leichter fallen, Vorteile aus der ganzen AffĂ€re zu ziehen. „Wenn Blinken nun kommen wĂŒrde, dann wĂ€ren Xi und die Chinesen sehr beschĂ€mt, wĂ€ren dankbar, dass er kommen wĂŒrde, und wĂŒrden das Ganze hinter sich bringen wollen“, ergĂ€nzt Danny Russel, China-Experte in Regierung von Barack Obama.

Klingt schlĂŒssig. Fazit: Entweder hat Xi Jinping einen schweren diplomatischen Fehler begangen oder jemand in Peking arbeitet gegen ihn. 

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