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Leitartikel
03/02/2021

Wenn einem das G’impfte aufgeht

Statt mit Volldampf gegen die Krise zu arbeiten, bleiben Impfdosen im Lager. Dabei stehen wir erst am Anfang alljährlicher Massenimpfungen.

von Daniela Kittner

Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Viele müssen seit Monaten mit weniger Einkommen auskommen. Durch die lange Isolation machen sich immer mehr psychische Probleme bemerkbar. Und – das ist zwar nicht am wichtigsten, aber auch kein Schmarren – Woche für Woche rinnen der Volkswirtschaft Hunderte Millionen davon.

Was aber macht unsere Administration? Steckt man dort Tag und Nacht die Köpfe zusammen, wie man das Impfen beschleunigen könnte? Arbeitet man dort mit Volldampf an der Verkürzung der Krise?

Traurige Tatsache ist: Jede fünfte der vorhandenen Impfdosen ist nicht verimpft. 20 Prozent! Man kann es leider nicht anders sagen – aber es könnte einem das G’impfte aufgehen angesichts des Dilettantismus der Verwaltung und der politisch dafür Verantwortlichen.

Diese Art von Impforganisation schafft wenig Vertrauen ins System und ist auch deswegen nicht haltbar, weil es ja nicht nur um ein einmaliges Durchimpfen der Bevölkerung heuer im Frühjahr geht. Vielmehr müssen wir darauf gefasst sein, dass wir noch 2021 ein zweites Mal geimpft werden müssen. Und dass es in den kommenden Jahren jeweils einen, vielleicht sogar zwei Impfdurchgänge geben wird.

War es ein Fehler, das Impfen zu verländern? Das kann man nicht pauschal beantworten. Kärnten zum Beispiel hat nur neun Prozent der gelieferten Dosen auf Lager, in Wien ist jede fünfte, in Salzburg gar jede vierte Dose zur Zeit nicht verimpft.

Kärnten und Oberösterreich sind beim Impfen der Senioren schnell, die anderen Länder hinken weit hinterher.

Was fehlt, ist eine starke Koordination des Bundes, die analysiert, was in den Bundesländern gut funktioniert und was nicht, und dann darauf reagiert. Auch ein Blick ins Ausland kann nicht schaden. So hat Mario Draghi den Logistikchef des italienischen Heeres zum neuen Impf-Commissario gemacht, um bis zum Sommer 30 Millionen Italiener zu impfen. Israel hat sein Sozialversicherungssystem fürs Impfen eingesetzt. Warum nicht die ÖGK nutzen?

Für eine gute Impfkampagne ist auch eine topaktuelle Datenverarbeitung notwendig. All jene, die der Bevölkerung ständig Angst vor der Digitalisierung machen, sollten jetzt in sich gehen. Diesbezüglich darf sich auch die Ärztekammer wegen ihrer Kampagne gegen Elga angesprochen fühlen. Datenschutz ist wichtig – aber bei uns wird er oft als Vorwand missbraucht, um Eigeninteressen zu schützen. Wie kommen die öffentlich Versicherten dazu, dass sie im Jahr 2021 eine analoge Parallelverwaltung alimentieren sollen? Dass bei der Abgabe von Gratistests keine Extrawürste mehr für eCard-Verweigerer gebraten werden, ist ein Fortschritt.

Hoffentlich kommen derer noch mehrere nach.

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