Weihnachtsschmuck bei Wiener Werkstätten

© Kurier / Jeff Mangione

Leitartikel
12/24/2021

Weihnachtswunsch: Mehr Gelassenheit!

Drei Vorsätze mit ein paar sehr vernünftigen Empfehlungen vom Wiener Erzbischof Christoph Schönborn

von Martina Salomon

In kirchlichen Messen der Vor-Corona-Zeit gab es die schöne Tradition, einander die Hände zum Friedensgruß zu reichen. Weihnachten ist ein besonders guter Anlass dafür – noch dazu in diesem emotional so aufgeheizten Jahr. Von „Covidioten“ bis „Impf-Nazis“, von „Diktatur“ bis „Chaos-Truppe“ haben wir alles und Schlimmeres gehört. Zeit für Weihnachtsfrieden und eine Abrüstung der Worte. Dazu drei versöhnliche Thesen.

1.) Hören wir alle auf mit den wechselseitigen Schuldzuweisungen in der Corona-Krise. Wir sind kein Volk von Virologen, und selbst diese irrten in den vergangenen zwei Jahren oft gewaltig. In der wissenschaftlichen Welt herrscht allerdings weitgehend Konsens darüber, dass Impfen sinnvoll ist und zumindest vor schweren Verläufen schützt. Hoffen wir angesichts der Omikron-Welle, dass das stimmt. Wobei am Ende natürlich schon die Frage geklärt werden muss, warum Österreich so besonders oft und hart betroffen war und mittlerweile zum Beispiel fast genauso so viele Tote hat wie das weitaus lockerere Schweden – und das trotz FFP2-Maskenpflicht (die es weltweit fast nirgendwo gibt), der zweithöchsten Intensivbettenzahl pro Kopf, einer Testzahl im internationalen Spitzenfeld und ständiger Lockdowns. Vieles wissen wir eben leider noch immer nicht.

2.) Beenden wir den Generalverdacht gegen Politiker, sonst werden wir irgendwann einmal keine vernünftigen mehr finden. Auch wenn die Thomas-Schmid-Chats ein desaströses Bild zeigen: Volksvertreter sind nicht böswilliger oder korruptionsanfälliger als andere Teile der Gesellschaft. Vermutlich sogar weniger, weil niemandem genauer auf die Finger geschaut wird. U-Ausschüsse sind dafür da, strukturelle Missstände aufzudecken. Aber das kann man auch weniger hass- und vorurteilserfüllt angehen als im ablaufenden Jahr. Wer einander mit so viel Dreck bewirft, braucht sich über ein furchtbares Image nicht zu wundern. Kardinal Schönborn hat im Club 3-Interview mehr Respekt gegenüber Politikern eingefordert.

3.) Mehr Humor und Gelassenheit, weniger Verbissenheit: Auch das wünschte sich der Wiener Erzbischof, und er hat so recht! Wie konnte es bloß passieren, dass sich jeder in seinem Schützengraben einbunkert und die Zukunft nur noch düster sieht? Eine Gesellschaft, der der Optimismus abhandenkommt, gibt sich selbst auf. Dabei leben wir doch in einem der angenehmsten Flecken der Welt und werden auch noch diese Pandemie-Welle überstehen. Glaubt man Tomas Pueyo, Datenanalyst und vielbeachteter Autor von „Hammer and Dance“, der bisher meist recht hatte, ist das nun das letzte Corona-Aufbäumen. Also leider noch ein Hammer. Aber danach: Bitte wieder Tanz!

Martina Salomon

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