Bildungsminister Faßmann kündigte Aufstockung von Schulpsychologen an

© APA - Austria Presse Agentur

Leitartikel
08/04/2021

Vielleicht beantwortet eine Impfpflicht für Lehrer auch die Frage der Eignung für den Job

Auf einige heikle Fragen hat Bildungsminister Heinz Faßmann noch keine beherzten Antworten gegeben.

von Christian Böhmer

Der Bildungsminister hat also einen Plan: Gut einen Monat vor dem Schulstart hat Heinz Faßmann skizziert, wie er verhindern will, dass Schulklassen in den Schichtbetrieb oder schlimmstenfalls ganz auf Homeschooling umstellen müssen.

Ob es gelingen kann, mit Daten aus Kläranlagen, „Wächterschulen“ und einer neuen Teststrategie wieder Normalität in die Klassenzimmer zu bringen, das wird sich weisen. Aber immerhin gibt es die Ansage, geschlossene Schulen mit aller Kraft zu verhindern – und das verdient zunächst einmal Anerkennung.

Schade ist, dass Faßmann auf einige, zugegeben, polarisierende Fragen keine beherzten Antworten gibt.

Da sind zunächst einmal die Corona-skeptischen Familien: In diesen Tagen kommen offensichtlich deutlich mehr Eltern als sonst auf die befremdliche Idee, es sei Pandemie-bedingt besser, Kinder daheim zu „schulen“ als sie am Unterricht teilhaben zu lassen. Rechtlich ist das möglich, geschätzte 6.000 Pflichtschüler könnten deshalb schon bald in den Klassen fehlen. Herr Faßmann will einem möglichen Trend nun gegensteuern, indem er die Familien zu verpflichtenden Beratungsgesprächen einlädt.

Das ist, mit Verlaub, zu wenig. Eltern, die noch immer nicht begriffen haben, dass Schulen soziale Orte sind, in denen viel mehr gelernt und gelehrt wird als Mathematik und Rechtschreibung, die werden auch durch ein freundliches Informationsgespräch nicht von ihrer kruden Haltung abgehen. Faßmann und das Parlament müssen demnach alles tun, um es Covid-bedingten Schulabmeldern gesetzlich schwerer zu machen, die Kinder aus unserer Gesellschaft fernzuhalten.

Noch drängender ist die Frage der Impfpflicht für Lehrer. Während die neue, noch ansteckendere „Lambda“-Variante um sich greift, will der Minister die Impfpflicht noch nicht einmal diskutieren. Man könne das nur für den gesamten öffentlichen Dienst machen, sagt er. Das ist reichlich unambitioniert – und nicht stimmig.

Denn selbstverständlich ist es nicht egal, ob man als Gemeindebediensteter im Wald Bäume fällt, oder ob man als Volksschullehrer stundenlang mit Kindern in einem Raum arbeitet, die nicht geimpft werden können, gleichzeitig aber ein ernsthaftes Risiko haben, sich scheußliche Dinge wie „Long Covid“ einzufangen.

Der Ansatz ist polemisch, aber: Vielleicht würde eine Impfpflicht für Lehrer auch die Frage der grundsätzlichen Eignung für den Job beantworten.

Denn wer nicht willens ist, seriöse Wissenschafter und deren Aussagen von wichtigtuerischen Verschwörungstheoretikern zu unterscheiden, der ist in einer öffentlichen Bildungseinrichtung, in der ja der Wert von Wissen und Wissenschaft vermittelt werden, eher fehl am Platz.

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