Meinung
16.12.2017

Warum Bitcoins kaum irrationaler sind als der Rest der Geldwelt

Auch der Finanzmarkt ist nicht immer ein Hort reiner Vernunft.

Dr. Martina Salomon | über den Bitcoin-Boom.

Ein Redaktionskollege belauschte jüngst eine Unterhaltung am Punschstand: Bitcoin-Kurse seien schon wieder gestiegen, staunte der eine. Darauf die andere: "Wenn aber welche nachgedruckt werden, sinkt der Kurs ja wieder." Da scheint jemand nicht KURIER gelesen zu haben – was aber gelegentlich auch bei Chefredakteuren vorkommen soll, denen meist ein triumphierendes "Hatten wir doch längst" entgegengeschmettert wird (selbst, wenn es in Wahrheit nur eine Kurznotiz war).

Bitcoin ist eine virtuelle, nicht regulierte "Währung" (eigentlich eher ein Code) und auf 21 Millionen Stück beschränkt. Berechnet wird das von der "Blockchain"– einer Art Internet-Kassabuch. Die Quasi-Währung kann morgen auf null sinken, wenn alle gleichzeitig verkaufen. Oder ihre Besitzer unendlich (neu)reich machen.

Blasenbildung

An der Börse kann man jetzt auch auf die Entwicklung von Bitcoin wetten (Futures). Und wer seine Festplatte versehentlich wegwirft, auf der 7500 Bitcoins gespeichert waren, hat ein Millionenvermögen vernichtet (wie ein Brite behauptet, der nun auf einer Mülldeponie danach suchen will). Aber nur wer viel (Spiel-)Geld zur Verfügung hat, sollte auf Bitcoins setzen, die Pseudo-Währung ist hochspekulativ.

Ganz so neu sind solche Phänomene aber ohnehin nicht. Einmal schon platzte die "Internet-Bubble". Logischerweise bricht auch der Wert von (angeblich) echten Firmen mit unklarem Geschäftsmodell irgendwann einmal zusammen.

Selbst bei "festen" Werten und Währungen beruht ganz vieles nur auf Vertrauen: Ist es weg, gibt es einen Kurssturz (siehe VW-Aktie). Manche Sicherheit ist vielleicht auch nur trügerisch. Etwa konservative Fonds mit Gewerbeimmobilien: Überall schießen billigst gebaute Bürokomplexe aus dem Boden – auch in Gegenden voll von leer stehenden Gewerbeflächen. Weil Geld keine Zinsen mehr abwirft und alle nach Veranlagungen suchen, haben Bau-Tycoons keine Finanzierungsprobleme. Aber was ist, wenn die vielen neuen Büro-Immobilien unvermietbar oder unverkäuflich bleiben (bzw. nach zehn Jahren veraltet und unbrauchbar sind)? Irgendwer verliert da am Ende des Tages wirkliches Geld.

Künstliche Geldmenge

Und ganz rational ist auch die künstliche Geldblase nicht, die die Europäische Zentralbank erzeugt hat und unbeirrt weiter aufbläst. Das "rasiert" kleine Sparer, die laufend Geld verlieren, damit sich die Staaten billig entschulden können (was Österreich bisher verabsäumte). Hier ist eine stille, aber historische Enteignung/Umverteilung im Gang, die besonders den Mittelstand trifft. Die größte Geldwertvernichtungsmaschine aber ist (neben verrückter Politik) natürlich Krieg.

Wer Geld auf der hohen Kante hat, sollte es wie US-Investor Warren Buffett halten: Nur in Dinge (und Unternehmen) investieren, die man versteht. Leider haben heimische Regierungen der Bevölkerung ja den Kapitalmarkt madig gemacht. Denn in den vergangenen Jahren konnte man mit Aktien (Investition in reale Werte!) im Gegensatz zum Sparbuch Geld verdienen – wenn auch die wackeren österreichischen Antikapitalisten 2012 eine neue Wertpapierzuwachssteuer erfanden. So gesehen sind Finanzmarkt und Finanzpolitik auch nicht immer ein Hort reiner Vernunft.