Wahlsieger Kurz vor einer großen Aufgabe

Wir bekommen wohl wieder Schwarz-Blau – oder die starke Strache-FPÖ geht doch mit Kerns SPÖ?

Sebastian Kurz hat das eine, das offizielle Wahlziel also erreicht. Er ist Nummer 1, er bekommt den Auftrag zur Regierungsbildung. Aber seine Hoffnung, mit einem deutlichen Wahlergebnis weit über 30 Prozent wirklich "neu zu regieren", wie er beim KURIER-Gespräch, angekündigt hat, wird nicht leicht umzusetzen sein.

Christian Kern war in den letzten Tagen mit heftigen Spekulationen innerhalb seiner Partei konfrontiert, wer sein Nachfolger werden soll. Viele in der SPÖ sind schon von einem Ergebnis deutlich unter Faymann im Jahr 2013 ausgegangen – Kern schaffte genau diese 26,9 Prozent. Am Wahlabend sprach er von "Verantwortung übernehmen", was immer das noch heißt.

Die FPÖ ist nach aktuellem Stand knapp hinter der SPÖ auf Platz 3. Ein geradezu ideales Ergebnis für Heinz Christian Strache. Mit einem deutlichem Zuwachs kann er entspannt mit Kurz verhandeln, gleichzeitig aber auch Kern schöne Augen machen. Er kann inhaltlich und personell Forderungen stellen, die weit über das hinaus gehen, was er vor der Wahl verlangt hat – da nannte er nur das Innenministerium als Bedingung. Da wird noch mehr kommen. Und die Wiener SPÖ könnte es nicht verhindern, wenn Kern und Strache eine Koalition bastelten. Undenkbar ist das nicht.

Starker Strolz – Spalter Pilz

Die Neos haben bewiesen, dass die Österreicher gerade bei einem Rechtsruck doch auch eine liberale Stimme im Parlament wollen, Matthias Strolz war ein glaubwürdiger Spitzenkandidat. Und die Grünen wussten schon bei der internen Listenwahl, bei der sie Peter Pilz mit einem schlechteren Listenplatz beleidigten, dass sie vor eine Niederlage stehen. Diese wurde gewaltig, trotz einer inhaltlich starken, aber eben nicht populären und schon gar nicht populistischen Spitzenkandidatin. Das kann Pilz besser. Am Abend war es noch nicht sicher, ob er es mit seiner Namensliste geschafft hat. Selbst ein populärer Wahlkämpfer mit Aufdecker-Image bringt keine Garantie.

Nachdenklich stimmt der Satz von Strache, dass fast 60 Prozent für das FPÖ-Programm gestimmt hätten. Auch wenn man die polemische Rhetorik abzieht, bleibt für die ÖVP und ihren Chef Kurz der Auftrag, sich jenseits des Themas Ausländer deutlich breiter aufzustellen. Im Wahlkampf gab es zu wenig Sachthemen, die müssen bei den Regierungsverhandlungen kommen.

Und es hat Kurz letztlich eher geschadet, dass ihn ein Gratisblatt mit immer weniger Lesern so in den (Umfrage-)Himmel gehoben hat. Einem Kanzler würde das Schmuddelimage dieses Blattes noch mehr schaden.

(kurier) Erstellt am
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