über Forschung in Österreich
09/07/2016

Vertreibt Österreich Nobelpreisträger?

Die Forschungsbedingungen haben sich verbessert. Aber es gibt noch genug zu tun – etwa Top-Leute zu halten.

von Martina Salomon

Bis heute ist es für internationale Spitzenforscher nicht leicht, an heimischen Unis Fuß zu fassen.

Dr. Martina Salomon | über Forschung in Österreich

Emmanuelle Charpentier wurde kürzlich unter die 100 einflussreichsten Menschen der Welt gewählt. Die französische Mikrobiologin hat die "Gen-Schere" miterfunden. Sie hat übrigens bis 2009 in Wien geforscht, nur wurde ihr Vertrag nicht verlängert. Montagabend war sie auf Besuch in Österreich.

Vertreiben wir künftige Nobelpreisträger? Die Frage muss man sich ernsthaft stellen, auch wenn sich dank der Regierung Schüssel vieles zum Positiven verändert hat. Seither bemühte man sich aktiv um Eliteforscher, richtete außeruniversitäre Forschungszentren ein. Und die Universitätsreform beendete die Pragmatisierung an den Unis – die Reste davon plus die engen österreichischen Netzwerke machen es internationalen Spitzenforschern aber bis heute nicht so leicht, an heimischen Instituten Fuß zu fassen.

Eine öffentliche Debatte, in welchen Zukunftsfächern das Land Schwerpunkte setzen müsste, fehlt nach wie vor. Einen Aufschrei gab es lediglich, als die TU Wien heuer erstmals ihre Studienplätze für Informatiker limitierte. Ob das angesichts des Technikermangels eine gute Idee war? Allerdings suchen heimische Firmen ohnehin eher HTL- und FH-Absolventen. Tatsächlich muss nicht alles akademisiert werden – und wenn, dann sind "kreative Geister, Visionäre und Leute, die zupacken können" gefragt, wie der Chef des Verbands der Softwareindustrie kürzlich im KURIER meinte. Das weiß man an internationalen Spitzenunis wie dem MIT in Boston, daher wird dort interdisziplinär gearbeitet. Auch die heimischen Gratis-Unis – mit deutlich weniger Mitteln ausgestattet – beschreiten zögernd diesen Weg. Aber ob das reicht, um Top-Forscher wie Charpentier zu halten?