über das Ausweichquartier während der Parlamentssanierung
01/05/2017

Unsensibler Umgang

"Derf’s ein bisserl teurer sein" scheint das Motto für die Parlaments-Ausweichquartiere zu sein.

von Martina Salomon

Motto: Derf's ein bisserl teurer sein?

Dr. Martina Salomon | über das Ausweichquartier während der Parlamentssanierung

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet zu den 100-Jahr-Feiern der Republik tagt das Parlament in der kaiserlichen Hofburg. Dort – im großen Redoutensaal – finden die Sitzungen während der Parlamentssanierung statt. Die Renovierung ist notwendig, keine Frage. Aber warum die Ausweichquartiere für 183 Parlamentarier plus Mitarbeiter unter dem Motto: "Derf’s a bisserl teurer sein?" stehen, würde man als Steuerzahler gerne wissen. Mitten an einem der sensibelsten Plätze Österreichs, am Heldenplatz, entstehen voluminöse Bürocontainer, die nun die Sichtachse zwischen Hofburg und Rathaus verstellen. Der neue Bundespräsident wird vor seinen Fenstern nicht imperiale Großzügigkeit vorfinden, sondern profane Flächennutzung.

Geplante Kosten für Übersiedelung und Ausweichquartier: 51,4 Millionen Euro. Und das, obwohl die Stadt mit halb leeren Bürogebäuden übersät ist. Wenn man schon den Parlamentariern keine U-Bahn-Fahrt zur schon ewig leer stehenden alten Wirtschaftsuni (mit perfekten Sitzungssälen) zumuten wollte, dann hätte man wenigstens den unweit des Parlaments ebenfalls leerstehenden Achtzigerjahre-"Glaspalast" des gerade verstorbenen Harry Glück verwenden können. Dort war einst das Rechenzentrum der Stadt Wien untergebracht, und es enthält sogar einen großen Saal. Erst kürzlich hat es die Buwog gekauft. Verwendung? Noch unklar.

Ein Provisorium am Heldenplatz – so gehen wir mit dem Erbe der Habsburger um, das ja scheinbar das Einzige ist, mit dem wir in der Welt punkten können und wollen. Für die Bilder der Österreich-Werbung werden Fotografen aber immer größere Brennweiten brauchen, um das Neue auszublenden. Selbst das Weltkulturerbe für die Wiener Innenstadt ist die Politik ja bereit zu opfern. Wenn man noch dazu weiß, wie lange in Wien Provisorien halten, darf man schon beginnen, sich zu fürchten.

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