CORONA: PK NACH BERATUNG DER BUNDESREGIERUNG MIT LÄNDERVERTRETERN ZUR CORONA-SITUATION / MÜCKSTEIN (GRÜNE), SCHALLENBERG (ÖVP)

© APA/MICHAEL GRUBER / MICHAEL GRUBER

Leitartikel
11/16/2021

Türkis-Grün: Ein schaurig dissonanter Chor

An einem weiteren Höhepunkt hat die Regierung verlernt, was sie einst auszeichnete: Uns zu erklären, woran wir uns halten sollen.

von Philipp Wilhelmer

Wir wissen nach bald zwei Jahren Pandemie so viel wie noch nie über das Virus. Trotzdem kennt sich keiner aus. „Muss ich …?“ … „Darf ich …?“ fragt verwirrt jener Teil der Bevölkerung, der gerne Regeln befolgen würde.

Die von der ÖVP-Krise durchgebeutelte Regierung hat das Kommunizieren zusehends verlernt: Aus der simplen Message „Es gibt nur drei Gründe …“ (Altbundeskanzler Sebastian Kurz im März 2020) wurde jüngst ein „Ich weiß nichts von einem Gipfel“ (Amtsnachfolger Alexander Schallenberg live im ORF-Hauptabend). Zum Wochenstart verhängte die Regierung Teil-Lockdowns, um in Teilen (ein unkoordiniert wirkender Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein) den Voll-Lockdown in Aussicht zu stellen. Ein Ansinnen, das der türkise Partner vielstimmig kritisierte. Die grüne Antwort kam trotzig via Twitter. Ein schaurig dissonanter Chor als Soundtrack einer schon wieder verlängerten Krise, die die Verantwortlichen mit einem Match um die Deutungshoheit verwechseln.

Dabei gäbe es von den Amtsinhabern auf Bundes- wie auch auf Landesebene Dringliches zu vermitteln. Etwa, worum es hier eigentlich geht: nämlich um Leben und Tod. Nicht nur für jene, die Corona für gefährlich oder harmlos halten (Spoiler: Das Virus ist potenziell tödlich), sondern auch für Dritte, die etwa nach einem Unfall intensivmedizinische Betreuung brauchen.

Um es nicht bei dieser technischen Worthülse zu belassen: Fällt morgen Ihr Bub unglücklich von der Schaukel und erleidet einen Schädelbasisbruch, wird er in einer hoch spezialisierten Abteilung solange behandelt, bis er wieder die Augen öffnen kann. Wie oft passiert so was schon?, werden Skeptiker einwenden. Das ist der Punkt: Es ist die absolute Ausnahme.

Aus dem Babyelefanten ist eine Hydra geworden

Das Problem an Covid ist, dass diese Ausnahmefälle zur Regel werden: Ungeimpfte Patienten in kritischem Zustand verstopfen zusehends die Intensivstationen. Insofern ist auch die Pandemie für die Geimpften nicht „zu Ende“, wie dies die ÖVP versprochen hat, die sich nun damit schwertut, davon wieder abzurücken. Aus dem süßen Babyelefanten ist eine Hydra geworden: viele Köpfe mit teils widersprüchlichen, teils toxischen Messages. In diesem Chaos zementiert sich jener Teil der Bevölkerung ein, der das ganze Corona-Theater ohnehin für Blödsinn hält. Gewirkt hat etwa die FPÖ-Propaganda vom Pferdeentwurmungsmittel Ivermectin als Corona-Medikament. Im Hoch-Inzidenzen-Bundesland Oberösterreich ist der Stoff bereits ausverkauft.

Hoffentlich sind nicht allzu viele so verblendet, die für Pferde und Kühe dosierten Arzneimittel wirklich zu nehmen, denn – siehe oben – die Intensivstationen sind langsam voll.

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