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Meinung
06/01/2020

Trump: Der Wüterich und die Wut

Der Präsident, der mit Wut und Spaltung Stimmen und Stimmen machte, kann den Wunsch vieler nach Zusammenhalt nicht befriedigen.

Je lauter es draußen auf den Straßen wird, desto kleinlauter wird dieser Präsident. Dass Trump wegen der Unruhen zuletzt sogar in den Bunker des Weißen Hauses verfrachtet wurde, mag eine protokollarische Routineübung sein. Aber sie sagt alles über den Zustand der USA und jener des Mannes, der sie in diesem Moment eigentlich einen und führen sollte. Doch dazu ist Trump nicht in der Lage, zu sehr ist sein gesamter politischer Stil darauf ausgerichtet, selbst Konflikte zu schüren.

Dieser Präsident braucht immer Feinde

Dieser Präsident braucht immer Gegner, Feindbilder, gegen die er sich richten und seine Anhänger so hinter sich versammeln kann. Ob das nun China ist, oder die Medien, oder die Demonstranten, die er zuletzt allesamt zu Plünderern herabwürdigte und ihnen offen mit Waffengewalt drohte: Immer geht es um ein wir gegen die, das jene, die sich hinter dem Präsidenten und seinen Stakkato-Beschimpfungen versammeln, moralisch aufwertet. Das war und ist Trumps Erfolgsprinzip, und es hat ihm einen Wahlerfolg beschert. Geliefert von jenen Amerikanern, die so sehr überzeugt sind, dass sich ohnehin alles gegen sie verschworen hat, dass sie den, der sie darin bestätigt, zu ihrem Verbündeten machen, auch wenn es ein New Yorker Milliardär ist.

Das Ideal von der "einen Nation"

Doch nach Monaten einer schlecht gehandhabten Pandemie und der Eskalation der jüngsten Proteste beginnen auch jene, die sich sonst nur zu gerne mit dem Trump-Spiel „Wir gegen die“ bedienen ließen, sich nach Beruhigung und Zusammenhalt zu sehnen. Das oft nur noch zur Phrase verkommene traditionelle Ideal von der „einen Nation“, die keine Unterschiede zwischen Menschen macht und keine Spaltung kennt, bekommt für viele Amerikaner wieder Bedeutung. Ähnlich wie in Europa, wo die Rechtspopulisten es nicht schaffen, aus der Corona-Krise politisches Kapital zu schlagen, ist auch Trump die Hilflosigkeit angesichts der Krisensituation anzumerken. Unkoordiniert und widersprüchlich sind seine Attacken gegen alle und jeden. Hält diese Grundstimmung an, bekommt Trump ein grundsätzliches Problem mit seinem Wahlkampf. Denn die Sehnsucht nach Einigkeit und dem Überwinden von politischen Gräben kann er, der Spalter, nicht bedienen. Hat er diese Gräben doch vertieft.

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