Meinung
24.01.2012

Tagebuch: Nacht-Betrachtung

Die Organisatoren des Schladminger Nightrace werden bei der WM 2013 weit weniger zu sagen haben als das deutsche Fernsehen.

Leibwächter wurden am Dienstag vorsorglich für Marcel Hirscher und Ivica Kostelic abgestellt. Am Vorabend hatten die Slalom-Artisten für ein paar Minuten noch Begleitschutz anderer Art erhalten – von Damen aus dem Nachtgeschäft, die – passend zu einem Nachtslalom – jeden Läufer zur öffentlichen Startnummernvergabe geleiteten.Ein Nachtklubbesitzer, der im offiziellen Programmheft mit Inseraten "30 min Zimmer Euro 69" wirbt, stellt alle Winter wieder dem Weltcup zum Nulltarif die attraktivsten Mitglieder seines Lassinger Etablissements zwecks optischem Aufputz der Nummern-Zeremonie zur Verfügung.Ehe Hirscher die Nummer 1 zog, war es auf seine Initiative schon hinter der Bühne zu einem versöhnlichen Gedankenaustausch zwischen ihm und Kritiker Kostelic gekommen.Zumindest nach außen hin war vor der gestrigen Slalom-Show wieder alles gut. Gleiches lässt sich im Organisationsbereich in der WM-Stadt nicht behaupten.Längst pfeifen es die Spatzen von den schneebedeckten Ennstaler Dächern, dass die steirischen Ski-Pioniere und die ÖSV-Veranstaltungsprofis einander nicht grün sind. "Wir wurden auseinanderdividiert", ließ Schladmings enttäuschter Mister Weltcup, Hans Grogl, prominente Ehrengäste bei der Nightrace-Gala wissen, zu der WM-OK-Chef Reinhold Zitz nicht eingeladen und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel nicht erschienen war.Für die WM 2013 wird Grogls Gattin Elisabeth, nachdem die ehemalige Lehrerin von Michael Walchhofer, Alexandra Meissnitzer usw. bei allen 15 erfolgreichen Nachtslaloms das Sagen hatte, jeglicher Einfluss entzogen. Bei der WM wird es übrigens kein Nachtrennen mehr geben. Es sei denn, Felix Neureuther oder Fritz Dopfer gewinnen bis dahin so viel, dass die Deutschen auch zur Prime-Time übertragen würden.

Vom deutschen Fernsehen hängt das österreichische WM-Programm ab. Gute Nacht.