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Meinung
01/19/2020

Tagebuch: Als der Streif-Rekordler am Türsteher scheiterte

Die Securitys untersagten Fritz Strobl den Zutritt, obwohl der davor die Abfahrt gewonnen hatte.

von Wolfgang Winheim

100.000 Euro. Der Streif-Sieger wird vom Veranstalter fast dreimal so viel Preisgeld bekommen wie Beat Feuz am Lauberhorn. Protz mit Rekordprämien? Mitnichten. Die Kitzbüheler wollen mehr in den Sport investieren und lieber bei Festivitäten sparen. Weil man aufs Schickimicki-Image pfeift. Das war nicht immer so und schürte auch bei mir Vorurteile in der Stadt am geschwollenen Kamm.

Als ich einst für den erkrankten KURIER-Doyen Martin Maier einspringen durfte, verweigerte mir ein Livrierter vom Grand Hotel den Zimmerschlüssel, weil ich ihm als junger Gast im alten VW nicht repräsentativ genug schien. Und als wir – nach einem illegalen Streifzug mit Werner Grissmann und Josef Walcher – von einer schlecht präparierten Piste schrieben, warf man ägyptische Kolporteure von KURIER und Krone aus den Lokalen. Anders Kitzbühels Ski-Idole: Von Toni Sailer bis Hansi Hinterseer – sie waren zu uns Wienern stets freundlich. Vielleicht, weil sie zu schätzen wussten, dass wir manch privates Hoppala ignorierten. Das sei in Social-Media-Zeiten jetzt undenkbar, bedauert Ex-Weltmeister Harti Weirather.

Dass Weirather am Vorabend der Abfahrt 1982 seinen Porsche zertrümmert hatte, ließ sich hingegen bei aller Freundschaft nicht verschweigen. Zumal es a) einen polizeilichen Unfallbericht und b) 15 Stunden danach just einen Triumph durch Bruchpilot Weirather gab. Weirather ist seit 24 Jahren der Werbekönig am Hahnenkamm und ... seine Party mit Wirtschaftsbossen dermaßen gefragt, dass Securitys sein Nobelzelt bewachen wie Ford Knox. Die untersagten sogar Fritz Strobl den Zutritt, obwohl der davor die Abfahrt gewonnen hatte. Mit bis heute gültigem Streifrekord.

Vor 20 Jahren siegte der singende Strobl („Ich bin der Mozart der Mausefalle“) ein zweites Mal, als Hermann Maier Zweiter wurde. Derselbe Maier, der 2003 nach einem Montagrennen, bei dem statt rot-weiß-roter Politprominenz die orange Müll-Brigade die halb leere VIP-Tribüne zierte, vor Rührung weinte. Dem Superman war im Super-G das Siegcomeback nach seinem Motorradcrash gelungen.

Oft endeten auf der Streif auch Karrieren. Immerhin funktioniert in Kitzbühel stets die Rettungskette – deshalb überlebten alle Schwerstverletzten. Darunter Hans Grugger, der heute Geografie und Turnen unterrichtet, darunter der Schweizer Daniel Albrecht und US-Pilot Scott Macartney. Sie alle lagen im Koma. Auch Brian Stemmle, der 1989 an der Steilhangausfahrt fast verblutet wäre, führt ein normales Leben. Der Kanadier erzwang via Gericht viel Schmerzensgeld. Die Summe hielt man in Kitz im Gegensatz zu Preisgeldern geheim.

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