© Steve Schoenlaub

Gastkommentar
08/05/2020

Solidarität ist nur einen Mausklick weit entfernt

Was wir von der Corona-Krise lernen können: Die Menschen rücken einander wieder näher. Das zeigt sich auch rund um die Kirche

Christen glauben an das Gute. Was bedeutet das gerade in Zeiten von Corona? Ist das überhaupt möglich in einer Situation, in der so viele Menschen grundlegende Existenz-Ängste haben (müssen), die Arbeitslosenrate auf einen Rekordwert gestiegen ist und nachhaltige Verunsicherung herrscht?

Die Bibel versucht darauf eine Antwort zu geben, indem sie dazu auffordert, „das Licht der Welt“ zu sein (Matthäus 5,14). Das klingt in einem ersten Moment sehr theologisch, heißt aber nichts Anderes, als dass jeder versuchen soll, in seinem ganz persönlichen Umfeld einen Unterschied zu machen: in der eigenen Familie, im Freundeskreis, im Beruf – in puncto Nachhaltigkeit und beim täglichen Einkaufsverhalten. Die vergangenen Wochen und Monate haben bereits gezeigt, dass Paare, Familien, Nachbarn und wahrscheinlich die gesamte Gesellschaft insgesamt ein großes Stück weit zusammengerückt sind. Viele Menschen haben sich – trotz aller Sorgen und Ängste – auf Existenzielles fokussiert, haben öfter zum Handy gegriffen und sich erkundigt, wie es Anderen geht. Gesunde sind für Ältere oder Kranke einkaufen gegangen – oft bewusst im kleinen Geschäft ums Eck anstatt bei großen Online-Versandhäusern.

Obwohl definitiv niemand darauf vorbereitet war, haben bisher alle das Beste gegeben. Diese Solidarität, die Nächstenliebe, ist etwas durch und durch Christliches und gleichzeitig etwas durch und durch Menschliches. Ganze Geschichtsbände und psychologische Untersuchungen zeigen, dass Menschen dazu tendieren, in Ausnahmesituationen mehr aufeinander zu achten. Von der Caritas der Erzdiözese Wien wissen wir, dass sich derzeit Hunderte und Tausende karitativ einbringen, obwohl sie mitunter gar nicht gläubig sind.

Österreichweit helfen derzeit 50.000 Menschen bei der Caritas mit, alleine während der Corona-Zeit sind mehr als 5.000 neue Helfer dazu gekommen. Und auch ein aktueller und sehr spannender Trend in den sozialen Netzwerken geht in eine ähnliche Richtung: „Business Knowledge-Vermittlung“– also die Vermittlung von Praxiserfahrung. Dabei erklären Menschen in Form von Videobeiträgen, warum sie erfolgreich sind. So verrät etwa der angesagte Friseur, Betreiber von mehreren Standorten, dass er seinen Kunden zum Geburtstag immer eine Gratulationsmail und einen Gutschein schickt und im Geschäft Gratis-Kaffee anbietet.

Der vielgebuchte Online-Berater erklärt, wie man einen Online-Shop einrichtet und diesen mit den richtigen Maßnahmen schneller bekannt macht. Der Fitness-Guru gibt Tipps für das Training im eigenen Wohnzimmer und die Psychologin erklärt, wie man Lagerkoller vermeidet.

Dieser Video-Trend hat zwar teilweise schon vor der Corona-Krise begonnen, in den vergangenen Monaten und Wochen aber noch deutlich zugenommen. Wenn derart viele Menschen ihre Erfahrungswerte offen und vollkommen gratis weitergeben, kann man das ebenfalls als Zeichen der Solidarität werten. Für sich alleine genommen sind das alles nur sehr kleine Schritte. Doch in Summe macht es sehr wohl einen großen Unterschied, wenn möglichst viele in einer Gesellschaft solidarisch agieren – auch das zeigen die Geschichtsbücher und die Bibel.

Michael Ausserer ist Chefredakteur der Medien der Erzdiözese Wien (www.dersonntag.at)

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