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Meinung
09/23/2019

So leicht wird die FPÖ ihren Ex-Chef nicht los

Dass Strache bei seinen Fans wegen falsch verbuchter Rechnungen plötzlich in Ungnade fällt, ist unwahrscheinlich.

von Christoph Schwarz

Heinz-Christian Strache wird für die FPÖ zum ernst zu nehmenden Problem. Allerdings auf ganz andere Weise, als man das noch am 17. Mai zu denken gewagt hätte. Damals, als die Ibiza-Affäre aufflog, beschieden viele den Blauen ein zweites Knittelfeld – in Erinnerung an jenen legendären Parteitag 2002, bei dem die FPÖ nach internen Streitereien zwischenzeitlich implodierte.

Der Mythos Knittelfeld wurde verfrüht bemüht.

Das liegt nicht nur daran, dass die Wähler der Einzelfall-Partei ziemlich alles verzeihen. Sondern an Strache, der sich in Opferpose begab und – höchst erfolgreich! – für seine Frau in den Wahlkampf und durch Social Media zieht.

Womit wir bei besagtem Problem wären: Der geschasste Strache hat bei Wählern und Funktionären mehr Anhänger, als der Parteispitze noch lieb sein wird. Er weiß das – und kokettiert immer offensiver mit seiner Rückkehr. Das Dilemma: Lässt die FPÖ ihn gewähren, und er siegt (und davon ist nach internen Umfragen auszugehen), wird er unantastbar. Alle jene, die derzeit blaue Höhenluft schnuppern und Strache zum Rückzug drängen, können sich dann selbst abschaffen. Verwehrt man ihm aber die Rückkehr, und tritt er mit einer eigenen Liste an, könnte der überstrapazierte Knittelfeld-Vergleich zutreffen.

In diesem Licht ist die aktuelle Spesen-Affäre zu sehen: Straches interne Gegner wollen ihn, heißt es, jetzt endgültig diskreditieren. Ob die Rechnung in der heiklen Phase kurz vor der Wahl aufgeht, ist mehr als ungewiss. Dass Strache bei seinen Fans, die nach Ibiza- und Casino-Affäre treu zu ihm hielten, wegen falsch verbuchter Rechnungen plötzlich in Ungnade fällt, ist unwahrscheinlich. Dass sich die FPÖ an den Attacken auf ihre langjährige Identifikationsfigur überhebt, erscheint da schon plausibler.