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© Kurier

Leitartikel
05/02/2020

So lasset uns denn hochfahren

Die Erleichterung über die langsame Rückkehr zur Normalität sollten wir uns durch nichts und niemanden verdrießen lassen.

von Rudolf Mitlöhner

Die Lockerungsübung hat leicht verkrampft begonnen: Die Verordnung des Gesundheitsministers von Donnerstagabend sorgte gleich einmal für Verwirrung. Wie die drei, vier oder fünf Ausnahmen vom allgemeinen Ausgangsverbot haben wir auch alle internalisiert, dass ab 15. Mai die Gasthäuser und ab 29. Mai die Hotels wieder aufsperren (unter Auflagen, eh klar). Aber, siehe da, nichts davon steht in der spätabendlich veröffentlichten Verordnung. Vielmehr heißt es  da lapidar, dass das „Betreten“ von Gaststätten und Beherbergungsbetrieben „untersagt“ bleibt. Die Verordnung gilt bis 30. Juni. Zu Recht fragt man sich, was nun gilt. Das Tourismusministerium ist zur Beruhigung ausgerückt: Es gilt das gesprochene Wort.

Auch eine Passage zu „Einrichtungen zur Religionsausübung“ – unter der Überschrift „Kundenbereiche“ – lässt Interpretationsspielraum offen: dahingehend, dass Gottesdienste nicht erst ab 15. Mai, sondern bereits ab sofort wieder möglich wären (was aber, wie mittlerweile geklärt ist, nicht stimmt).
Von der ursprünglichen Lockdown-Verordnung über den seltsamen Oster-Erlass bis zuletzt spannt sich da ein Bogen, der insbesondere den Gesundheitsminister – der freilich an exponierter Stelle steht – in keinem günstigen Licht erscheinen lässt. Ungeachtet dessen, dass Rudolf Anschober in hohem Maße Integrität und Redlichkeit vermittelt.

„Neue“ vs. „normale“ Normalität

Wir sollten uns indes davon die Laune nicht verderben lassen. Die bevorstehende sachte Wiederbelebung des öffentlichen und sozialen Lebens ist in jeder Hinsicht durch und durch erfreulich. Es geht tatsächlich so etwas wie ein Aufatmen durchs Land, auch wenn wir von einer „normalen Normalität“ (© Salzburgs Landeshauptmann Haslauer im KURIER-Interview) noch weit entfernt sind. Der Begriff der „neuen Normalität“, den Sebastian Kurz geprägt hat, trifft es in der Tat recht gut – wenngleich der Opposition zuzustimmen ist, dass man aufpassen muss, dass darauf kein perpetuierter Ausnahmezustand wird. Man kann das Nicht-Normale, das Provisorische der „neuen Normalität“ gar nicht oft genug betonen.

Ja, das Land wird langsam wieder hochgefahren. Manche arbeiten sich am Begriff „Hochfahren“ ab – der sei zu technizistisch. Das sind im Wesentlichen jene, welche die Corona-Krise als Katalysator für den ersehnten „Systemwandel“ sehen, auf dass endlich Geld aus dem Bankomaten und Strom aus der Steckdose ungehindert strömen mögen: Fridays for Future auch von Montag bis Donnerstag, sozusagen.
Auch gegen solche Anwandlungen muss man darauf beharren, dass langfristig die „neue Normalität“ nur die „alte“ – die sich freilich immer weiter entwickelt – sein kann.

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