über die Notwendigkeit neuer Frauenpolitik
06/18/2016

Schleichender Verlust des liberalen Gesellschaftsmodells

von Martina Salomon

Eine neue Glaubensdiktatur ist im Begriff, auch in Österreich Fuß zu fassen.

Dr. Martina Salomon | über die Notwendigkeit neuer Frauenpolitik

Frauenpolitik und eigenes Frauenministerium? Geh bitte, keine(r) braucht das mehr, dachte man sich vor ungefähr einem Jahrzehnt. Ja, ganz oben in der Hierarchie waren noch immer viel zu wenig Frauen, aber die Weichen dafür schienen gestellt. Danke, Alice Schwarzer, Johanna Dohnal & Co!

Jetzt dreht sich das Rad gerade rasend schnell zurück – aber die wahren Probleme anzusprechen ist ein Tabu. Neuerdings muss man Verständnis für getrennten Schwimmunterricht aufbringen und Entschuldigungen finden für brutale Übergriffe auf Frauen, wenn es sich dabei um (traumatisierte?) Gewalttäter aus einer anderen Kultur handelt. Männern wird mühselig und oft vergeblich erklärt, dass man Frauen die Hand gibt. Das geht bis zu vorauseilenden Peinlichkeiten wie der Abdeckung nackter antiker Statuen bei einem Staatsbesuch in Italien. Was früher buchstäblich unbedenklich war, ist für Frauen (und sei es nur in der Eigenwahrnehmung) gefährlich geworden: nach Sonnenuntergang im Prater Rad zu fahren zum Beispiel oder "oben ohne" im Bad zu sonnen.

Musliminnen unter Druck

Wer das thematisiert, gilt schnell als "Hetzer": Eine neue Glaubensdiktatur ist im Begriff, auch in Österreich Fuß zu fassen. Die Opfer sind oft auch junge, westlich orientierte Musliminnen. Sie fühlen sich zunehmend unter Druck gesetzt, Kopftuch zu tragen, sexuell enthaltsam zu leben, zu essen, was man ihnen vorschreibt, und Männer zu heiraten, die vom Clan ausgesucht werden. Wer sich widersetzt, wird in wachsenden Gesellschaftsgruppen als "Hure" und damit als Freiwild betrachtet. Selbsternannte Sittenwächter treiben ihr Unwesen. In welcher Gesellschaft werden Frauen in 15 Jahren leben, wenn wir das alles in Europa tolerieren?

Die Hoffnung vieler Intellektueller auf einen "säkularisierten, europäischen Islam" war wohl naiv. Das Gegenteil tritt ein: Siehe den türkischen Präsidenten Erdogan, der sich zunehmend erfolgreich um die Fernsteuerung österreichischer wie deutscher Türken bemüht und rassistische Töne von wegen "verdorbenem Blut" seiner Kritiker via Sat-TV in heimischen Wohnzimmern verbreitet.

Fundamentalisten

Mit den neuen Migrationsströmen kommen Menschen aus ultrakonservativen Gesellschaften zu uns. Die heimische Politik schaut hilflos zu, sie fördert sogar oft fundamentalistische Vereine in der Hoffnung auf neue Wählerstimmen. Auch liberale Muslime sehen das mit Schaudern.

Ein wichtiges Schulprojekt wie "Heroes" scheitert aus unerfindlichen Gründen (und wird jetzt nur in Salzburg begonnen). In diesem Berliner Vorzeigemodell werden junge Männer mit Migrationshintergrund ausgebildet, um an Schulen Workshops zum Thema Ehre und Gewalt abhalten zu können. Wir brauchen Radikalisierungs-Prävention dieser Art, damit sozial deklassierte (Schul-)Versager nicht irgendwann einmal "Held" spielen und mit einer Kalaschnikow der westlichen "Dekadenz" entgegentreten wollen.

Möglicherweise haben wir tatsächlich eine eklatante Wertelosigkeit im reichen (West-) Europa. In dieses Vakuum stoßen nun eine vitale, "imperialistische" Religionsauslegung und deren staatlichen Vertreter. Wenn wir dem nicht energischer entgegentreten, wird unsere liberale Gesellschaft dieses "Match" verlieren.

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