BELGIUM-NATO-SUMMIT

© APA/AFP/POOL/KENZO TRIBOUILLARD / KENZO TRIBOUILLARD

Meinung
06/16/2021

Ringen um eine neue Weltordnung

Joe Biden suchte auf seiner Europa-Tour den Schulterschluss mit Verbündeten. Aber auch vom Treffen mit Putin hängt jetzt viel ab.

von Ulrike Botzenhart

Man möge sich von der fröhlichen Lockerheit, mit der Joe Biden erstmals als US-Präsident durch Europa tourt, nicht täuschen lassen. Die Lage ist ernst, sehr ernst. Es geht in allen seinen Gesprächen und Gipfeltreffen dieser Tage um nicht weniger als die neue Weltordnung, die längst im Entstehen ist.

Biden braucht dafür den Schulterschluss aller Bündnispartner, die er auf seiner Seite hat – oder glaubt. Dafür und für notwendige neue Szenarien und Strategien hat er im Kreis der G7 genau so gerungen wie in der NATO-Zentrale in Brüssel oder beim Treffen mit den EU-Spitzen.

Es ist ein Kampf um die politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und militärische Vormacht in der Welt im Gang.

Ein Kampf zwischen West und Ost; zwischen Demokratie (die nicht perfekte, aber beste aller Staatsformen, die wir kennen) und Autokratie. Zwischen den USA und China. Und auch Russland will dabei mitmischen.

Klingt gefährlich? Ist es auch.

Chinas mächtiger Staats- und Parteichef Xi Jinping hat die Volksrepublik in den vergangenen Jahren strategisch und militärisch enorm gut aufgestellt. Geschickt und so gut wie ungehindert baute und baut China noch immer seinen Einfluss aus – in Asien und Afrika genau so wie in Lateinamerika, dem „Hinterhof“ der USA, und auch in Europa, selbst innerhalb der EU. Die Wege und Mittel sind vielfältig, von scheinbar günstigen Krediten für Infrastruktur-Bauten (Stichwort: Neue Seidenstraße) über vielversprechende Wirtschaftskooperationen hin zu günstigen oder gar kostenlosen Impfstoff-Lieferungen im Zuge der Corona-Pandemie. Parallel rüstete Xi die Volksarmee in allen Bereichen massiv auf. Vom Atomarsenal über die Marine, die auf allen Weltmeeren unterwegs ist, bis hin zum Weltall beweist Peking, was das einstige Entwicklungsland kann.

An Chinas Seite positioniert sich zudem ein ernst zu nehmender Partner: Russland. Dass die beiden eine gemeinsame Forschungsstation auf dem Mond einrichten werden, ist ein Beispiel dafür.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion hat Russland seinen Rang als Supermacht in allen Bereichen verloren. Doch das stolze Land ist nach wie vor eine nicht zu unterschätzende Nuklearmacht mit dem Anspruch, auf der Weltbühne ernst genommen zu werden. Auch Moskau setzt sich geostrategisch dort fest, wo es Einfluss im weltpolitischen Gefüge hat. Dass die beiden großen Nachbarländer zugleich Rivalen sind, ist klar. Aber die Meisterstrategen hier wie dort suchen den jeweiligen Vorteil.

Das alles spielt mit beim Gipfeltreffen von Joe Biden und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Mittwoch in Genf. Dort wird sich zeigen, ob die beiden Männer eine gemeinsame Basis finden. Es hängt viel davon ab.

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