© (c) NiederösterreichWerbung/Romeo Felsenreich

Pro und contra
09/02/2021

Heftige Debatte: Braucht es wirklich männerfreie Bereiche im Bad?

Was für eigene Frauenbereiche in Freibädern und anderen öffentlichen Räumen spricht. Und was dagegen.

Das Thermalbad Vöslau soll eine männerfreie Zone einführen. In einem abgegrenzten Bereich im Freien werden nur   „weiblich gelesene Personen“  – also etwa auch nicht binäre oder transgender Frauen – willkommen sein. Das verkündete die Bloggerin, Autorin und Modeunternehmerin Madeleine Darya Alizadeh auf Instagram. Auf sozialen Medien entfachte daraufhin eine heftige Diskussion. Männerfreie Zonen: Ein feministischer Schritt, weil man einer Gruppe von Menschen geschützte Bereiche bietet, oder ein Rückschritt, weil man erst recht Frauen wegsperrt. Eine Frage, die auch die Redaktion beschäftigt. Im Pro und Contra diskutieren Naz Kücüktekin und Laila Docekal.

PRO

Um es gleich mal  vorwegzunehmen: Ja, in einer idealen Gesellschaft würden  wir diese ganze Debatte nicht führen. Da könnten einfach alle Menschen ungestört ihre Zeit im Freibad genießen. Aber aktuell sind wir von diesem utopischen Sollzustand weit entfernt. Frauen, als solche gelesene, oder überhaupt FLINTA-Personen (siehe  oben)  sind in nahe zu jedem Bereich des Lebens  irgendeiner Form  von Sexualisierung und Diskriminierung ausgesetzt. Wenn ein bisschen nackte Haut      dazukommt, ist das für manche (Männer!) sowieso eine Einladung.  Mehr Bewusstseinsbildung  und Erziehung sind hier natürlich gefragt. Von heute auf morgen wird sich da aber nicht so viel tun, dass  sich gewisse Gruppen vor einem Badbesuch nicht fürchten müssen. Gesonderte Bereiche für Frauen und FLINTA-Personen wären eine schnelle und einfache Lösung. Eine,  die es übrigens   bereits in anderen Bereichen gibt. In vielen Fitnessstudios etwa sind eigene Frauenbereiche  normal. Frauen, die möchten, können in den männerfreien Bereichen ungestört trainieren. Und die, die  das nicht möchten, einfach nicht. Stichwort dabei ist Freiwilligkeit.  Weder im Fitnessstudio, noch im Freibad geht es, darum Frauen wegzusperren, sondern ihnen einfach alternative Möglichkeiten zu bieten. Für all jene, die das nicht wollen oder brauchen: Wie schön. Sensibilität gegenüber Menschen, bei denen das vielleicht nicht so ist, zu zeigen, ist aber sicher auch nicht falsch.

Naz Kücüktekin ist Redakteurin im Ressort „Mehr Platz“

CONTRA

In Bereichen wie der Sauna mag das ja okay sein, wenn Frauen ihren eigenen Rückzugsbereich haben.   Aber wenn wir jetzt beim Baden auch eigene Zonen fordern, begeben wir uns in das Fahrwasser von  patriarchalischen Ländern, wo Frauen „zu ihrem eigenen Schutz“ nur noch hinter verschlossenen Türen  baden dürfen. Hier  müssen sie keine anzüglichen Kommentare fürchten und können sich geschützt vor dem   männlichen Blick wohlfühlen.
Was signalisiert das im Umkehrschluss? Frauen, die im gemischten Bereich baden, bieten sich als Freiwild an? Müssen junge Mädchen Angst haben, sich dort zu bewegen? Dazu kommt das Dilemma für Mütter mit Kindern: Töchter dürfen mit in die Frauenzone, aber Söhne nur bis zu einem gewissen Alter? (Und wer legt fest, ab welchem Alter dieser männliche Blick für andere Frauen unangenehm wird?) Wenn es ein Problem mit Belästigungen und  übergriffigen Kommentaren gibt, kann nicht die Lösung sein, Frauen abzusondern. Das macht es nur schlimmer. Vielmehr sollte man an der Wurzel ansetzen: Was spricht gegen Bewusstseinskampagnen in Bädern für einen respektvollen Umgang miteinander? Wir haben es geschafft, HundebesitzerInnen so weit zu bringen, dass sie das  Gackerl ihres Lieblings wegräumen – da wird es doch möglich sein, Männern und hormongesteuerten Pubertierenden angemessene Verhaltensregeln im Bad näherzubringen. Notfalls mithilfe von Sanktionen.

Laila Docekal ist Leiterin des Ressorts Lebensart

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.