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Meinung
02/22/2019

Pro & Contra: Abtreibungen beschränken?

Immer wieder fordern Initiativen, Abtreibungen zu beschränken oder zu verbieten. Gerechtfertigt oder nicht?

von Mitlöhner gegen Rabinowich

Rudolf Mitlöhner, katholischer Publizist

Das Thema werden wir nicht los, es kommt immer wieder hoch. Das kann auch gar nicht anders sein in einer zivilisierten Gesellschaft, die dieses Attribut verdient. Denn wie bei allen die Lebensränder betreffenden Fragen bewegen wir uns auch bei der Abtreibung auf ethisch ganz dünnem Eis. Die Fristenregelung – die eben eine Regelung, aber keine Lösung war und auch nicht sein konnte – ist ein Gesetz gewordenes Dilemma: straffrei, aber nicht erlaubt. Ins allgemeine Bewusstsein ist diese Differenzierung nicht eingedrungen: Abtreibung gilt letztlich als eine unter mehreren Optionen der „Familienplanung“.

Trotzdem gibt es gute Gründe, den Schwangerschaftsabbruch nicht wieder generell unter Strafe zu stellen. Umso wichtiger ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Abtreibung ein schwerwiegender Eingriff ist und Unrecht bleibt. Die Bürgerinitiative #fairändern, welche das Thema wieder aufs Tapet gebracht hat, legt den Finger auf wesentliche Punkte: einschlägige Statistik und Motivforschung, Bedenkzeit vor dem Abbruch, Hinweispflicht des Arztes auf Beratungs- und Unterstützungsangebote. Alles Dinge, die als „flankierende Maßnahmen“ eigentlich von Anfang an in Aussicht gestellt wurden, aber nie gekommen sind. Vor allem aber fordert #fairändern eine Abschaffung der straffreien Abtreibung von behinderten Kindern bis kurz vor der Geburt. Hier gilt das Wort Kardinal Königs von der „offenen Wunde“ in besonderer Weise.

Julya Rabinowich, Autorin, Kolumnistin und Malerin

Helmut Qualtinger hat damals schon sehr deutlich ausgesprochen, was andere hinter vorgehaltener Hand nur munkeln würden. Jeder wusste es, aber keiner wollte es gewusst haben: die Engelmacherinnen und ihr diskreter Job. Im Zweifelsfall war dieser Job immer das Problem und das Risiko der betroffenen Frauen, niemals der dazu gehörenden Samenspender, ob der Akt nun erzwungen oder freiwillig war. Diese begaben sich trotz reger Beteiligung am Zeugungsakt nicht in Lebensgefahr und nicht in soziale Ächtung. Das Lied des großen Qualtinger ist nun auch schon ein Zeiterl her.

Lang vergangene Zeiten, dachte man. Und man dachte, dass diese Erkenntnis eigentlich schon selbstverständlich geworden ist: ein Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen verhindert keine Schwangerschaftsabbrüche. Es treibt nur die Betroffenen in Illegalität und damit in Lebensgefahr. Ist es das, was jene wollen, die sich für rigide Beschränkung des Rechts auf den eigenen Körper stark machen, die Frauen das Recht absprechen wollen, über ihr Leben und über ihre Zukunft zu bestimmen? Dieselben oft übrigens, die das fertige Ergebnis einer solchen Schwangerschaft dann wenig interessiert? Der Uterus – eine Ausweitung der patriarchalen Kampfzone, schon wieder, im Jahre 2019? Schwangerschaftsabbrüche müssen leistbar und sicher sein. Die Entscheidung für einen solchen Eingriff fällt sowieso keiner einzigen Frau leicht. Keiner einzigen.