Meinung
06.02.2018

Pensions- statt Forschungsparadies

Österreich hat sich entschieden, das Geld lieber in Pensionen zu stecken.

Dr. Martina Salomon | über den Abgang von Josef Penninger

Der Wiener Musikverein zieht die besten Klassik-Künstler der Welt an. Darauf kann Österreich stolz sein. Aber so ein ehrgeiziges Ziel könnte sich die Regierung auch im Wissenschaftsbereich stecken. Nach dem Motto: Wir wollen die Nobelpreisträger von morgen haben! Die vorige Regierung hat zwar die Forschungsgelder erhöht, aber die Top-Liga erreicht man damit wahrscheinlich nur mit Mühe und Glück. Eher nur das obere Mittelfeld.

Josef Penninger ragte aus der heimischen Wissenschaftsszene immer heraus (und wurde von vielen Forscherkollegen deshalb angefeindet) – auch, weil er es verstand, Gelder für seine Arbeit zu lukrieren. Die Arbeit "seines" Instituts für Molekulare Biologie trägt bereits Früchte. Solche Investitionen lohnen sich langfristig. Hoffentlich auch jene in das Spitzeninstitut für Grundlagenforschung IST Austria (Institute of Science and Technology Austria) in Maria Gugging, wo naturwissenschaftliche Grundlagenforschung auf höchstem Niveau betrieben wird.

Hinter beiden steckt die Regierung Schüssel. Man hat sie für vieles gescholten – dafür jedoch gebührt ihr Lob. Wolfgang Schüssel hatte eine klare Vision für den Wissenschaftsstandort Österreich. Das löst in einem Land, das alle Kraft darauf verwendet, alle möglichst über einen Kamm zu scheren, Widerstand aus. Die Wissenschaftsausgaben der Regierung sind mit 2,7 Milliarden Euro jährlich vergleichsweise niedrig. Österreich hat sich entschieden, das Geld lieber in anderes zu stecken. Zum Beispiel in Pensionen (51 Milliarden pro Jahr). Das noch immer unfertige Krankenhaus Nord kostet 1,5 Milliarden Euro (oder mehr?), der Lobautunnel ist mit 1,9 Milliarden veranschlagt (ist er wirklich notwendig?). Würde man nur einen kleinen Teil davon der Wissenschaft widmen, wäre schon viel gewonnen.