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Meinung
02/20/2020

Opernball: Eine Götterdämmerung

Kein Kanzler, kein Vize, nicht einmal der Baumeister findet so leicht „Stars to rent“. Wozu also das Ganze noch?

von Gert Korentschnig

So lustig war’s früher einmal, als Bruno Kreisky erzählte, dass er vom Opernball über „das, was man in Wien ein Häusl nennt“, flüchtete (das Zitat kennen wir von Dutzenden Wiederholungen im Fernsehen). Als Tobias Moretti auf die Frage, was er von Stargast Dita von Teese halte, mit Gegenfragen antwortete: „Wie heißt der? Dieter? Ein Mann?“. Als eben jener anstatt mit einem hohen Orden am Frackrevers mit einer Medaille vom Schulskikurs in den ach so heiligen Hallen auftauchte. Oder als das Ballett die Hosen fallen ließ.

Der Wiener Opernball in der Vergangenheit: Ein Medienereignis ersten Ranges (wobei der Fokus vieler Medien auf die Lugnereien den Anfang vom Ende einläutete), ein Familienfest vor dem Bildschirm zum Mitspotten (wunderbar befeuert von Karl Hohenlohe und Christoph Wagner-Trenkwitz), eine stundenlange Live-Dschungelprüfung, bei der man leider niemanden abwählen konnte. „Ich bin ein Star, lasst mich hier rein!“

Kanzler hat gecancelt

Der Opernball heute: Ein Staatsakt ohne Regierungsspitze – Kanzler Sebastian Kurz muss zum EU-Gipfel statt zum Gedränge, Vizekanzler Werner Kogler ist erkrankt, abgesehen davon im Frack grundsätzlich schwer vorstellbar; mit einem Bundespräsidenten, der sich bei anderen Anlässen sichtbar wohler fühlt (und diesmal gar keinen offiziellen Staatsgast mitbringt); sogar der Baumeister hatte Schwierigkeiten wie nie zuvor, einen Bezahl-Gast zu finden, und entschied sich letztlich für die Protagonistin aus dem Film „Gib dem Affen Zucker“. Nicht einmal Barbara Rett, die Kulturinterviews führen konnte, wo es kaum noch Kultur gab, moderiert noch. Keine Rede mehr von Folklore-Demos. Selbst Hubsi Kramar versucht nicht mehr, im Hitlerkostüm einzuziehen und einen Skandal anzufachen.

Der Opernball 2020 ist der letzte unter dem amtierenden Direktor Dominique Meyer und seiner Bereichsleiterin Maria Großbauer. Meyer hatte in seinem Schaffen den Ball ebenso ernst genommen wie jede Premiere, immerhin. Fürderhin ist eher nicht davon auszugehen, dass der künftige Opernchef Bogdan Roščić den Ball zu seiner absoluten Toppriorität macht. Wahrscheinlich reicht auch eine professionelle Abwicklung, ohne hysterische Inszenierung. Aber wozu das Ganze überhaupt noch? Reality- und Satireshows gibt’s ja mittlerweile genügend im Fernsehen.

Wenn der Ball einen wirklichen Sinn hat, dann jenen, Geld für die Oper zu lukrieren, um in Folge die bestmöglichen Aufführungen zu realisieren. Denn immer noch ist die Oper dazu da, dass dort gesungen wird, und nicht, dass sich C-Promis, die ab Freilassing niemand mehr kennt, auf der Alphabet-Skala emporhanteln.

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