OMV-Debakel mit Auswirkungen

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über den überraschenden Managementwechsel bei der OMV
10/20/2014

OMV-Debakel mit Auswirkungen

von ReinholdW. Lang

Nicht nur die OMV erleidet Schaden, sondern Österreich als Ganzes

O.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr.mont. Reinhold W. Lang | über den überraschenden Managementwechsel bei der OMV

Die Vorgänge um die Führungsebenen der OMV und der Staatsholding ÖIAG haben kürzlich in Medien und Öffentlichkeit viel Aufsehen erregt. Zu Recht wurde darauf hingewiesen, dass durch diese Entwicklungen nicht nur die OMV Schaden erleidet, sondern auch der Wirtschaftsstandort Österreich als Ganzes beschädigt wird. Letzteres gilt nicht nur für die Wirtschaft im engeren Sinn. Es gilt auch für die Verflechtung der Wirtschaft mit den Universitäten und damit für den Forschungs- und Innovationsstandort Österreich insgesamt, wie in der Folge anhand der Beispiele OMV und Borealis (einem Kunststoffunternehmen und Tochter der OMV), und damit zwei der vier größten österreichischen Industrieunternehmen, gezeigt wird.

Kooperationen

Über neuartige „Public-Private Partnership (PPP)“-Initiativen und Sponsormittel im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich durch OMV und Borealis hat OMV-Generaldirektor Dr. Gerhard Roiss neue Finanzierungsmodelle für spezifische Exzellenz-Aktivitäten an einigen Universitäten etabliert. Profitiert haben davon besonders die Montanuniversität Leoben, die Johannes Kepler Universität (JKU) Linz, die Wirtschaftsuniversität Wien und das Vienna Biocenter. Auch wir im Kunststoffbereich an der JKU Linz sind Nutznießer dieser Kooperationen mit OMV und Borealis. Durch eine Initiative und mit Unterstützung von Dr. Roiss wurde ab 2006 der Bereich Kunststoffe ausgebaut. Mittlerweile existiert an der JKU das breiteste akademische Kunststoffprogramm Europas, vermutlich sogar weltweit. So ist es gelungen, die Zahl der Kunststofftechnik-Studierenden in Österreich mehr als zu verdoppeln. Wie wichtig dies ist, kann man daran ermessen, dass die Beschäftigungsdichte in der Kunststoffwirtschaft in Oberösterreich um einen Faktor 6 über dem EU-Durchschnitt liegt!

Internationalität

Im Hinblick auf die Anzahl von Studierenden in einem Technikbereich noch beeindruckender ist das OMV-Engagement an der Montanuniversität. Auf Initiative und mit Unterstützung der OMV wurde ab 2014 das Studienprogramm für Petroleum Engineering neu ausgerichtet. Im Vergleich zum Durchschnitt der fünf Jahre davor löste dies im Herbst 2014 einen sensationellen Zuwachs bei Neu-Inskribierenden um den Faktor 2,6 aus! Bemerkenswert an diesen Kooperationen von OMV und Borealis ist, dass sie langfristig angelegt und auf Internationalität und Exzellenz ausgerichtet sind. Auch gibt es keine Einschränkungen in Bezug auf universitäre Unabhängigkeit und Freiheit von Lehre und Forschung. Damit können diese Kooperationen Modell stehen für weitere Aktivitäten, um österreichische Universitäten in internationalen Rankings künftig wieder besser zu positionieren. Dr. Roiss hat als OMV-Vorstandsdirektor die oben skizzierten und für den Universitäts-, Forschungs- und Wirtschaftsstandort Österreich so wichtigen Initiativen, persönlich vorangetrieben und begleitet bzw. tut dies nach wie vor. Zu wünschen bleibt, dass sich andere Spitzenmanager der österreichischen Industrie daran ein Beispiel nehmen.

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