++THEMENBILD++ CORONA: VORBEREITUNG AUF ÖFFNUNGEN

© APA/ROLAND SCHLAGER / ROLAND SCHLAGER

Leitartikel
05/10/2021

Mit Schwung aus dem Tunnel

Infektionen, Tests, Impfungen, Öffnungen – nun zeigen alle Parameter nach oben

von Richard Grasl

Plötzlich läuft’s.

Die Infektionszahlen sinken auf unter tausend pro Tag. Zuletzt hatten wir einen derart niedrigen Wert am 12. Oktober, also vor fast sieben Monaten. Die 7-Tages-Inzidenz liegt wieder unter 100. Rust oder Waidhofen an der Thaya liegen bei oder nahe Null. Der Impfstoff fließt wie flüssiges Ketchup, derzeit werden rund 100.000 Menschen pro Tag geimpft.

Auch bei der geplanten Öffnung des Landes scheint es wie am Schnürchen zu laufen. Im Vorfeld gab es keine widersprüchlichen, unausgegorenen Entwürfe, die zu Verunsicherung bis zum Widerstand führten. Im Gegensatz zu früher liegt bereits bei der Pressekonferenz eine Verordnung vor, die durchdacht scheint. Erinnern Sie sich noch an den missglückten Ostererlass, die nächtliche Grenzkontrollen-Verordnung für Slowenien oder Gesetzestexte, die erst wenige Stunden vor Inkrafttreten öffentlich wurden? Hier muss man dem neuen Minister Wolfgang Mückstein Anerkennung zollen, auch der Kontakt in das Kanzleramt oder andere Ministerien scheint reibungsloser zu funktionieren. Detail am Rande: Als es schwierige Maßnahmen zu kommunizieren gab, wurde die Opposition gerne eingebunden. Das Erfreuliche kommunizierten das türkis-grüne Team um Kanzler Kurz am Montag wieder alleine.

Dass in vielen Bereichen des Lebens Maskenpflicht bleibt, ist vernünftig. Nach vierzehn Monaten Pandemie ist es fast nicht vorstellbar, dass in der U-Bahn jemand nebenan ohne Maske steht. Und dass nach der Sperrstunde um 22 Uhr nur noch vier Menschen zusammen sein dürfen, soll nächtliche Mega-Partys in Wohnungen verhindern. Ob das gelingt, darf angezweifelt werden. Die Bilder aus London, Barcelona, Madrid oder Brüssel, wo Menschen ausgelassen die zurückgewonnene Freiheit feiern, erinnern beinahe an Jubelszenen nach dem Fall autoritärer Regime in Osteuropa vor dreißig Jahren.

Worauf wird es neben individueller Achtsamkeit jetzt ankommen? Zum einen muss die Impf-Kampagne weiter beschleunigt werden. Der Weg Niederösterreichs, das seit gestern für alle Impfwilligen Termine vergibt, scheint der richtige zu sein. In den ersten Stunden haben sich 70.000 Bürger angemeldet. Damit haben auch Postler und Verkäuferinnen, die wegen hoher Kontaktzahlen gefährdeter sind, eine Chance auf einen raschen Termin. Schon wird ein Drang aus Wien auf einen blau-gelben Zweitwohnsitz bemerkt, um dort rasch zu einer Impfung zu kommen, damit der Sommerurlaub endlich geplant werden kann. Wichtig wäre auch, dass beim Auftreten regionaler Cluster rasch und hart reagiert wird. Die niedrigen Zahlen lassen wieder ein funktionierendes Contact-Tracing zu.

Die Regierung geht mit der Öffnung auch ein Risiko ein, aber wenn dieser Schritt klappt, wird der Ritt über die Rumpelpiste der letzten Monate bald vergessen sein.

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