Nicht-Event

Kleine Nachlese zur Feierstunde im Musikverein anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums jener Gesellschaft, welche die Konzerte im berühmtesten Saal der Welt veranstaltet: Toute Vienne hat Platz genommen, der Künstler neben dem Generaldirektor, der Musiker neben dem Schauspieler – nur das, was man Society nennt, ist nicht dabei, was kein Fehler ist.

Auf dem Podium dirigiert ein Mann, der Musikgeschichte geschrieben hat, Nikolaus Harnoncourt, mit maximalem Aufwand und interpretatorischem Tiefgang eine Kantate von Händel namens „Timotheus“: Das Werk selbst ist ein Un-Stück, das man in 200 Jahren gerne wieder aufführen kann.

Das Gesprächsthema des Abends ist aber die Brandrede des Generalmusikdirektors der Wiener Staatsoper, Franz Welser-Möst, gegen die Event-Kultur, gegen die Boulevardisierung, gegen den Erosionsprozess der Kunst, gegen die Macht der Masse und für Qualität.

Nun ist Welser-Möst freilich viel zu nobel, um konkrete Namen und Verantwortliche öffentlich zu nennen. Was und wer damit gemeint ist, war aber allen Zuhörern klar: die aktuellen Salzburger Festspiele und deren Intendant.
Welser-Mösts Leidenschaft für die Sache und der Adressat seiner Botschaft überraschten ebenso wenig wie der Ort der Verkündung: Der Musikverein ist der Inbegriff eines Nicht-Event-Hauses. Möge der Zirkus noch lange draußen bleiben.

(KURIER) Erstellt am
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