Meinung
21.07.2018

Neue Heißzeit, na und? Warum uns Klimawandel nicht kalt lassen sollte

In Peking haben Motorräder längst Fahrverbot. Auch Europa braucht einen Mix aus Verboten und Anreizen.

Es ist beinahe so verpönt wie zuzugeben, dass man Klatsch-Meldungen konsumiert: Alle reden vom verrückten Sommerwetter. Aber nur die wenigsten würde zugeben, dass sie dieser Tage sogar zu allererst den Wetterbericht lesen. Die ersten 30-Grad-Tage gab es heuer schon zu Frühlingsbeginn. Im kühlen Schweden toben seit Tagen Waldbrände. Im verregneten London sorgt zur Freude vieler Briten Non-Stop-Sonnenwetter seit Wochen für Hochsommer-Feeling.

Hierzulande haben Landwirte und Weinbauern keine Freude damit, dass ihre Felder vertrocknen und es dem Grünen Veltliner bald nachhaltig zu heiß werden könnte.

Das Gros der Klimaforscher sagt: Wenn die industrialisierte Welt nicht radikal die Notbremse zieht, droht eine neue Heißzeit samt schmerzhaften Umbrüchen im Alltag.

Die Politik redet EU-weit lieber allein über Flüchtlinge. Bei der letzten heimischen Regierungsklausur stand ein Klimaschutz-Plan zwar auf der Tagesordnung. Mangels konkreter Masse blieb er aber ein Nicht-Ereignis.

Alle reden vom Wetter, aber das Klima-Desaster lässt uns weiterhin kalt? Einiges zur Abstumpfung beigetragen hat wohl auch der – nostra culpa – Overkill an medialer Angst-Lust. In den ersten Jahren des steigenden Umweltbewusstseins überboten sich NGOs mit Katastrophen-Szenarien. Irgendwo war es bald täglich „fünf vor zwölf“.

Eine EU, die vor dem Klimawandel schützt

Das ist bestenfalls eine Erklärung für den Pendelschlag in der öffentlichen Wahrnehmung in Richtung „Es wird heißer, na und?“. Eine Entschuldigung für die chronische Schreckstarre ist das nicht. In der gerade angelaufenen EU-Präsidentschaft spielt das globale Megathema keine Rolle. Österreich ist damit freilich alles andere als allein. Auch große EU-Staaten wie Deutschland und Frankreich haben Klimaschutz nicht oben auf der Agenda. Die EU-Kommission nimmt daher im Herbst einen neuen Anlauf für eine europäische Klima-Initiative (siehe Bericht rechts).

Es wäre hoch an der Zeit für eine EU, die auch vor einer neuen Heißzeit schützt. Abseits der Spitzenpolitik kommt erfreulicherweise freilich bereits mehr an Veränderung in Gang als weithin bekannt ist. Die Ex-Grünen-Politikerin Monika Langthaler hat es gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger heuer einmal mehr geschafft, ein Vernetzungstreffen der Klimaschutz-Avantgarde aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Politik in Wien zu organisieren. Mit dabei waren erstmals auch UN-Generalsekretär António Guterres und der Bürgermeister von Peking, Chen Jining. Die Hauptstadt Chinas versucht, den Dauersmog mit radikalen Maßnahmen zu bekämpfen, die in Europa (noch) nicht durchsetzbar wären: Herkömmliche Motorrad- und Mopedfahrer sind bei hohen Strafen verboten, nur Elektro-Zweiräder sind erlaubt.

Ohne einen radikalen Mix aus Verboten und Anreizen wird es auch in Europa nicht gehen. Für die politische Durchsetzung braucht es zuerst aber die breite Einsicht. Gerade eine Regierung, die vom weltweit jüngsten Chef geführt wird, steht in dieser Schicksalsfrage für die junge Generation in einer außergewöhnlichen Verantwortung.