CORONAVIRUS - BUNDESREGIERUNG - NEUE MASSNAHMEN - LOCKDOWN: KURZ

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Leitartikel
10/31/2020

Mittelalterliche Methoden gegen Corona

Mit brachialen Maßnahmen wird eine drohende Spitalsüberlastung verhindert. Gibt es keine Alternativen? Leider nicht wirklich

von Martina Salomon

Die Lehre, die man aus den vergangenen Monaten ziehen muss, ist einigermaßen deprimierend: Wir sind kaum weiter als im Mittelalter und schützen uns mit (Pest-)Masken sowie mit "Hausarrest" vor einem Virus.

Wissenschaft, Medizin, Bürokratie, Politiker der westlichen Welt sind überfordert. Großer Gewinner wird am Ende paradoxerweise jenes Land sein, von dem die Pandemie ihren Ausgang nahm: China, ein diktatorischer, seinen Bürgern gegenüber rücksichtsloser Überwachungsstaat, der sein Wachstum strategisch anlegt. Sogar der Ausgang der US-Wahl nächste Woche ist – international betrachtet – nicht wirklich „spielentscheidend“. Corona verschiebt die Machtblöcke. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie werden die USA weniger hart treffen als Europa. Weltweit drohen soziale Verwerfungen.

Schon wieder ein Lockdown – das macht viele grantig auf Politik und Verwaltung. Hätte man den Sommer nicht für bessere Vorbereitungen nutzen müssen? Ja sicher! Aber interessanterweise ist die Entwicklung in fast allen Staaten gleich. Die heimische Regierung tut daher (diesmal sogar mit Deutschland koordiniert) das, was alle anderen auch tun: mit Brachialmethoden versuchen, die stark steigende Infektionszahl einzudämmen, um die Spitäler nicht zu überlasten – es ist bedrohlich nah dran. Wir sind nun mitten im prognostizierten „Hammer and Dance“-Modell und werden das Infektionsgeschehen (wie Israel) vorübergehend in den Griff bekommen, bis die dritte Welle kommt, die wahrscheinlich schwächer ausfällt. Zumindest bei der Spanischen Grippe war es so.

Auch wenn man jetzt zu Recht einzelne Maßnahmen für vollkommen überzogen (alle Lokale auch untertags geschlossen!) oder zu gelinde hält (warum nicht die schulischen Herbstferien um vier Tage verlängern?): Dummerweise gibt es kein Best Practice-Modell. In einer Demokratie kann man nicht ganze Städte abriegeln, wenn 20 Fälle auftauchen, wie das in China – erfolgreich – praktiziert wurde. Neuseeland? Wir sind halt kein entlegenes Eiland. Gegen digitale Kontaktverfolgung (Stopp Corona App) sind selbst Leute Sturm gelaufen, die ihre Daten bedenkenlos bei Facebook & Co. deponieren. Würde man massenhaft Tote (wie das anfangs in Schweden und England gemacht wurde) riskieren, kann unsere Regierung gleich abdanken. Sich vom internationalen Trend abkoppeln bedeutet außerdem, dass man als Außenseiter wie Schweden mit Reisewarnungen gebrandmarkt wird (was sich Österreich nicht leisten kann). Daher bleiben am Ende nur „mittelalterliche“ Maßnahmen. Der vermeintliche „homo deus“ muss einem Virus Opfer bringen. Unsere Welt ist deutlich instabiler, als wir das noch vor Kurzem zu wissen glaubten – wahrscheinlich auch bei anderen Bedrohungen.

Martina Salomon
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