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Mein Freitag
06/11/2021

Beendet doch endlich diese grimmige Märchenstunde

Eine gläserne Volkspartei macht noch lange keinen gläsernen Staat.

von Michael Hammerl

Der Wurstelprater hat einen, Traiskirchen auch. Stammt er aus Wien oder Niederösterreich? Nein, aus Kassel, dem geistigen Kosmos eines dichtenden Gebrüderpaars entfleucht, das Generationen von Kinderseelen mit grimmigen Märchen traumatisieren durfte. Die Rede ist natürlich vom Goldesel. Den gibt es auch als menschliche Statue, eben im Wurstelprater und in Traiskirchen, als „Geldscheisser“.

Dringend nötig hatte diesen 2016 das Außenministerium. OSZE-Vorsitz, Flüchtlinge und auch das noch: Man musste den Sultan vom Bosporus auszahlen, damit er nicht „Knüppel aus dem Sack“ spielt und die Schleusen öffnet. Rechtfertigt das eine Budgeterhöhung um 124 Millionen Euro? Relativ gesehen: Fiskalpolitisch ist das nach 16 Monaten Pandemie auch schon egal.

Das ständige Relativieren macht halt keinen Spaß mehr. Es wird Zeit, dass gewisse „Justiz-Kritiker“ die Hosen herunterlassen. Weniger Märchenstunden, mehr Selbstkritik – das wäre einer offeneren Gesellschaft zuträglich.

Und die Gegenseite? Besonders kritische Geister erliegen der Versuchung, die aktuell recht gläserne (und zerbrechliche) ÖVP mit einem „gläsernen Staat“ gleichzusetzen. Es gibt in Österreich also Postenschacher. Und türkisschwarze Netzwerke, die einander toll füßeln. Was für eine Erkenntnis in einem Land, zu dessen Halbjahrhundertwort „Proporz“ gekürt wurde. Wird übrigens spannend, ob die Neos in Wien ihre einstige Forderung umsetzen und den „Förderungssumpf“ in SPÖ-nahen Vereinen trockenlegen werden.

Die Justiz besteht jedenfalls nicht aus einem Sektionschef und einem Verfassungsrichter. Und nur, weil die Wiener Polizei verhaltenskreative Jugendliche stellt, ist sie keine Heimwehr. Der „Austrofaschismus 2.0“ – noch so ein Märchen.

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