++ HANDOUT ++ WIEN: SCHÖNBRUNNER ZOO ERFORSCHT MIT APP SEINE KRÄHEN-POPULATION

© APA/DANIEL ZUPANC / DANIEL ZUPANC

Leitartikel
01/27/2021

Sperrt wenigstens den Zoo auf!

Lockdown ohne Perspektive geht nicht. Mit den bereits vorhandenen Konzepten könnte manches schon aufgemacht werden

von Martina Salomon

Ausgerechnet in der Skination Österreich ist das Skifahren zum Symbol für Zügellosigkeit, Regelbruch und (Zweitwohnsitz-)Luxus geworden. Aber geht’s da wirklich um die – im Freien sehr überschaubare – Ansteckungsgefahr und nicht eher um den Frust der Städter, vor allem im Osten, die weniger Erholungsmöglichkeit haben? Beim Wiener Eistraum oder am Lainzer Tor stauen sich nämlich am Wochenende mangels Alternativen größere Menschenansammlungen als bei den Skiliften. Auch eine Gondelfahrt mit Maske und geöffnetem Fenster dürfte nicht gefährlicher sein als eine U- oder Straßenbahnfahrt.

Die höheren Infektionszahlen im Westen könnten eher mit etwas „rustikalerer“ Sorglosigkeit zu tun haben. Auf engem Raum ohne Masken und ohne Lüften ist die Ansteckungsgefahr groß. Das weiß man schon lange, daher ist es auch ein Skandal, dass das Virus knapp ein Jahr nach dem Ausbruch in Österreich dort wütet, wo man es in erster Linie verhindern wollte: in den Alters- und Pflegeheimen. Wegen des (gescheiterten) Schutzes „vulnerabler“ Personen werden seit Monaten Wirtschaft, Kultur, Bildung, soziales Leben – mit extremen Kosten – abgewürgt. Also nur noch „Hammer“, kein „Dance“ (frei nach Tomas Pueyo).

Natürlich ist es für eine Rückkehr zur alten Normalität viel zu früh – noch dazu, wo das Impfen nur schleppend vorangeht und die ganze Welt vor den neuen, angeblich ansteckenderen Virus-Mutationen zittert. Aber es gibt genügend Konzepte für Lockerungen ohne Gefahr, etwa im Kulturbereich. Die Museen sind mangels Touristen sowieso leer – nichts spricht gegen eine Öffnung für „maskierte“ Besucher. Mehrere deutsche Simulationsstudien zeigen außerdem, dass Konzerthäuser und Theater keine Infektionsorte sind, wenn die bekannten Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. Reine Willkür ist, dass weder Zoos (die Indoor-Bereiche kann man ja sperren) noch botanische Gärten öffnen dürfen. Auch eine Öffnung im Handel nur für kleinere Geschäfte wäre denkbar, ist aber vom Verfassungsgerichtshof verboten. Es darf nicht differenziert werden. Potenzielle Käufer werden so in den Online-Handel getrieben.

Schon klar: Bei den Maßnahmen geht es nicht um einzelne Ausnahmen, sondern um das große Ganze, also das gesamte Herunterfahren des öffentlichen Lebens. (Daher sind auch die Schulen zu: Sie spielen erstens beim Infektionsgeschehen eine Rolle, zweitens verlangsamt sich bei geschlossenen Schulen alles andere auch.) Aber den jetzigen Zustand kann man nicht mehr lange fortsetzen, ohne steigenden Widerstand zu provozieren. Mobilitätsaufzeichnungen zeigen, dass die Disziplin ohnehin bereits stark nachlässt. Es ist Zeit für intelligente, vorsichtige Öffnungsschritte! Nur dann kann die Regierung das Vertrauen der Bevölkerung behalten, dass bis zum Sommer noch Einschränkungen notwendig sind.

Martina Salomon
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