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Ein zu leiser Aufschrei

Es gibt zu wenig Frauen in Führungspositionen. Warum das so ist, zeigt auch die Zurschaustellung eines verheerenden Frauenbilds in den vergangenen Tagen.
Agnes Preusser
WAHLKAMPFAUFTAKT WR. WIRTSCHAFTSBUND: RUCK

Was die vergangenen Tage passiert ist, wirkt wie eine Blaupause dafür, wie man es schafft, Frauen im beruflichen Leben kleinzuhalten. Ein unbestreitbar mächtiger Mann, im konkreten Fall Wiens Wirtschaftskammerpräsident Walter Ruck, soll mehrere frauenfeindliche Äußerungen getätigt haben. Seine eigene Vizepräsidentin habe etwa für seinen Sohn Platz bei einer politischen Position machen müssen – sie habe einen „Befehl“ erhalten und „salutiert“. 

Dass der zuständige Wirtschaftsbund die Betreffende wenige Tage später ausrücken lässt, um zu erklären, dass „wir ja wissen, dass sich Männer untereinander gern flapsig unterhalten“, macht das Ganze nur schlimmer. Wenn, wie gerade ventiliert wird, das alles nur zusammengeschnittene und damit aus dem Zusammenhang gerissene Aufnahmen sind, warum schickt man eine Frau vor, um den Schaden zu begrenzen? Dann hätte es ein „Ich würde niemals so etwas sagen“ vom Präsidenten wohl auch getan.

Schweigen in der „Stadt der Frauen“

Wenn Männer „flapsig“ reden – oft nichts anderes als ein Euphemismus für Sexismus –, dann ist die wirksamste Gegenwehr häufig, wenn ein anderer Mann widerspricht. In diesem Zusammenhang ist es enttäuschend, dass Rucks enger Freund Michael Ludwig, Bürgermeister Wiens und damit der „Stadt der Frauen“, wie er selbst gerne sagt, dazu schweigt. Er könnte zumindest die anderen SPÖ-Mitglieder von der Parteiräson entbinden. 

Immerhin wird auch seine Vizebürgermeisterin Barbara Novak im öffentlichen Diskurs als willfährige Befehlsempfängerin wahrgenommen. Das ist, wenn man die glühende Feministin Novak kennt, einerseits grotesk, andererseits auch schädlich für die Sozialdemokratie – schließlich wird sie als nächste Bürgermeisterin gehandelt. Eine Wortmeldung von ihr gab es bis dato nicht.

Nichts zu hören ist auch von dem anderen möglichen nächsten Bürgermeister, Demokratiestadtrat Jürgen Czernohorszky, politisch sozialisiert in der SPÖ Penzing, aus der Österreichs erste Frauenministerin Johanna Dohnal hervorgegangen ist. Sie wäre mit Sicherheit nicht stolz. Auch die aktuelle Frauenministerin, Eva-Maria Holzleitner, ist erstaunlich ruhig. 

Zumindest der sozialdemokratische Wirtschaftsverband hat sich negativ zu den Vorkommnissen geäußert hat; offenbar ohne Ludwigs Einverständnis, der Ruck am Nachmittag sogar noch verteidigte.

Seit Jahren wird beklagt, dass es zu wenig Frauen in Führungspositionen gibt, oft einhergehend mit dem Argument, dass Frauen ja selber gar nicht dorthin wollen. 

Erstens: Wundert das einen wirklich, wenn so mit ihnen umgegangen wird? Zweitens: Angesichts solcher Weinkellergespräche darf man an reellen Aufstiegschancen für Frauen getrost zweifeln. 

Der Aufschrei müsste viel lauter sein.

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